Classen Group: Céline Quervel im Interview

"Wohngesundheit, Funktionalität und Design treffen den Nerv der Zeit"

Designböden sind ein dynamisches Innovationsfeld innerhalb der Classen-Gruppe, in dem das Familienunternehmen viele neue Ideen verwirklicht und zur Marktreife bringt - Umwege eingeschlossen. Mit der wegweisenden Eigenentwicklung Ceramin gelang Classen ein erster Coup, nun folgt mit Classen Hybrid ein weiterer Hoffnungsträger. Parkett Magazin sprach mit Céline Quervel, Vertriebsgeschäftsführerin und Head of Marketing, über Stärken, Strategien und Ziele im Bereich Designböden.

Parkett Magazin: Der MMFA berichtet für 2024 von einer weiter stark anziehenden Nachfrage nach SPC auf einem generell geschrumpften Markt, während klassische LVT, EPC und Produkte mit HDF-Träger verloren haben. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Céline Quervel: Die zunehmende Nachfrage nach SPC spiegelt sich auch in unserer Marktwahrnehmung wider. Unser Produkt Ceramin zählt in den meisten Märkten ebenfalls zu dieser Kategorie und überzeugt durch Pflegeleichtigkeit, Robustheit und einfache Verlegung. Gleichzeitig beobachten wir aber auch, dass leistungsstarke Laminatböden - insbesondere im technisch gut ausgestatteten Bereich - weiterhin eine starke Marktposition haben. Für den Endverbraucher zählen am Ende Pflegekomfort, Strapazierfähigkeit, Wohngesundheit, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und vor allem das passende Design.

Glauben Sie, dass sich Designböden nach Jahren stetigen Wachstums ihrem Zenit nähern oder ist immer noch Luft nach oben?

Designböden entwickeln sich zunehmend zur ersten Wahl unter den Bodenbelägen - vor allem durch ihre Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit. Der Markt differenziert sich weiter aus: Während einfache PVC-Produkte an ihre Grenzen stoßen, sehen wir enormes Potenzial in innovativen, nachhaltigen Alternativen. Produkte, die Wohngesundheit, Funktionalität und Design vereinen, treffen den Nerv der Zeit. Ihre Wandlungsfähigkeit macht es möglich, Trends schnell aufzugreifen und neue Anforderungen zu integrieren - deshalb ist das Wachstumspotenzial weiterhin groß.

Sind die Produkte inzwischen ausgereift oder gibt es noch Entwicklungsbedarf? Wenn ja, wo?

Wir sprechen weniger von einem klassischen Entwicklungsbedarf, sondern vielmehr von einem kontinuierlichen Anpassungsbedarf an Trends, technologische Möglichkeiten und die sich wandelnden Anforderungen der Endverbraucher. Gerade in Bezug auf Nachhaltigkeit, Wohngesundheit, Verlegesysteme und Design erwarten Kunden heute mehr denn je intelligente und unkomplizierte Lösungen. Mit Produkten wie Ceramin Lay - einem kleberfreien Verlegesystem für Dryback-Beläge - ermöglichen wir zum Beispiel auch eine schnellere Deinstallation und Neuausgestaltung des Raums. Ebenso setzen wir mit dem neuen DLE+-Verfahren Maßstäbe für besonders authentische Synchronstrukturen. Unser Anspruch ist es, nicht nur technisch mitzuhalten, sondern Erwartungen vorauszudenken.

Classen ist sehr international unterwegs. Welche sind nach Ihrer Einschätzung derzeit die wichtigsten Märkte für Designbeläge, welche Märkte sind im Kommen?

Als europäischer Hersteller liegt unser Fokus stark auf regionalem Wachstum und der Nähe zu Kunden - insbesondere in Europa. Dennoch behalten wir die globalen Märkte fest im Blick: Nord- und Südamerika sowie der Mittlere Osten sind für uns strategisch bedeutend und entwickeln sich dynamisch.

Gibt es Unterschiede in den Anforderungen?

Ja - und diese unterliegen einer hohen Dynamik. Während lange Zeit Nachhaltigkeit das Top-Thema war, rückt zunehmend das Thema Gesundheit in den Fokus der Endverbraucher. Gleichzeitig beobachten wir, dass wirtschaftliche und politische Entwicklungen die Trends regional beeinflussen und zu schnellen Verschiebungen führen.
Kommen wir vom Markt zu Ihnen. Classen kommt ursprünglich aus dem Laminatboden, hat aber schon seit einziger Zeit Designböden als zweite Säule im Bodenbelagsbereich aufgebaut. Wie hat sich diese Sparte entwickelt?

In diesem Segment konnten wir viele unserer Ideen verwirklichen - unsere Designbodensparte ist heute ein dynamisches Innovationsfeld innerhalb der Classen-Gruppe. Sie erlaubt es uns, neue Technologien schneller zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen. Die große Flexibilität in der Produktentwicklung ermöglicht maßgeschneiderte Lösungen für unterschiedliche Märkte und Kundenbedürfnisse.

Eine der Herausforderungen besteht allerdings darin, dass die Normungsgremien diesen Entwicklungen häufig nicht in der erforderlichen Geschwindigkeit folgen können. Ein Beispiel aus der Vergangenheit: Beim Thema Wasserresistenz von Laminatböden hat die Industrie lange Zeit uneinheitlich agiert. Viele Hersteller haben eigene Hausnormen entwickelt, die aus Sicht des Endverbrauchers oft irreführend waren. Erst später wurde mit dem NALFA-Test ein objektives Verfahren etabliert, dem schließlich auch eine einheitliche ISO-Norm auf europäischer Ebene folgte.

Genau darin sehe ich auch eine der zentralen Herausforderungen für die Zukunft: Der Markt der Designbeläge fragmentiert sich zunehmend - mit immer neuen Materialien, Technologien und Produktkonzepten. Einheitliche, verständliche und verbindliche Standards werden umso wichtiger, um Vergleichbarkeit und Orientierung für Handel und Verbraucher sicherzustellen.

Kannibalisieren sich die beiden Produktbereiche nicht, läuft nicht der jüngere, vielleicht auch hippere Designboden dem Laminatboden den Rang ab?

Nein, wir sehen vielmehr eine klare gegenseitige Befruchtung. Beide Produktwelten ergänzen sich - technologisch, gestalterisch und marktorientiert. Laminat überzeugt besonders im Preis-Leistungs-Segment durch hohe Strapazierfähigkeit und optische Vielfalt. Designböden hingegen punkten mit Eigenschaften wie Wasserbeständigkeit, Wohngesundheit und Nachhaltigkeit - insbesondere in PVC-freien Varianten wie Ceramin oder Classen Hybrid.
Entscheidend ist jedoch die Kommunikation gegenüber dem Endverbraucher: Nur wer klare, nachvollziehbare Informationen liefert und die jeweiligen Produktvorteile verständlich macht, schafft echte Orientierung. Und nur so entstehen langfristig zufriedene und informierte Kunden.

Sie haben Ihr Designboden-Portfolio stetig erweitert. Welche Produktlinien bieten Sie heute an?

Neben unseren klassischen und wasserresistenten Laminatböden umfasst unser Portfolio Ceramin, unseren PVC-freien Designboden auf Polypropylen-Basis und Classen Hybrid, unsere hochdichte innovative Holzfaserplatte, optional auch mit Kunststoffoberfläche.

Sind alle Ihre Designböden "Made in Germany" - wenn ja, warum? Wäre es nicht günstiger und risikoärmer, zuzukaufen?

Ja, all unsere Designböden sind "Made in Germany" - aus Überzeugung, Tradition und Qualitätsbewusstsein. Die eigene Fertigung gibt uns nicht nur die Kontrolle über Emissionen, Recyclingfähigkeit und soziale Standards, sondern verschafft uns auch einen entscheidenden Innovationsvorsprung.
An all unseren Standorten arbeiten Forschung und Entwicklung und industrielle Fertigung Hand in Hand. Unsere F&E-Abteilungen sind direkt in die Werke integriert und beschäftigen sich sowohl mit der kontinuierlichen Verbesserung bestehender Produkte als auch mit der Entwicklung neuer Technologien - immer mit Blick auf Skalierbarkeit und industrielle Umsetzbarkeit. Dieses enge Zusammenspiel ermöglicht es uns, Innovationen schneller zu realisieren und marktfähig zu machen - flexibel, effizient und auf höchstem Qualitätsniveau.

Der Markt ist stark besetzt und entsprechend wettbewerbsintensiv. Wo positioniert sich Classen?

Wir verstehen uns als Innovationsführer im Bereich nachhaltiger und wohngesunder Bodenlösungen - mit konsequent in Deutschland gefertigter Ware. Neben technologischer Kompetenz und Designstärke bieten wir dem Endverbraucher ein Produkt, das sich positiv auf die Raumluft auswirkt - und damit auf seine Gesundheit und sein Wohlbefinden.

Bieten Sie auch Private Label an?

Ja, wir sind ein erfahrener Partner für Private Label. Gleichzeitig investieren wir gezielt in die Markenpräsenz von Classen und Ceramin, um unsere Innovationskraft auch unter eigenem Namen im Markt sichtbar zu machen.

Was zeichnet Sie als Lieferant aus?

Unser Fokus auf Wohngesundheit und Nachhaltigkeit in Verbindung mit hochautomatisierter Fertigung, eigener Designentwicklung sowie technologischer Kompetenz - etwa im Digitaldruck, bei Synchronstrukturen oder PVC-freien Materialien - machen uns zu einem verlässlichen, zukunftsorientierten Partner für den Handel.

Classen postuliert stark Nachhaltigkeit. Wie weit gilt das für Ihre Designboden - in der Fertigung und für die Produkte selber?

Nachhaltigkeit ist für uns kein Trend, sondern Grundprinzip. Unsere Designböden - insbesondere Ceramin - sind vollständig PVC- und weichmacherfrei, emissionsarm und recyclingfähig. In der Fertigung setzen wir auf Ökostrom, geschlossene Kreisläufe, regionale Lieferketten und hochautomatisierte Prozesse. Mit Cradle to Cradle Material Health und weiteren Umweltzertifizierungen belegen wir transparent unseren Anspruch. Nachhaltigkeit beginnt bei uns beim Rohstoff und endet nicht beim Produkt - sondern beim Wiedereinsatz im Kreislauf.

Ihre jüngste Produktentwicklung ist Classen Hybrid. Was verstehen Sie darunter?

Für uns zeigt die Kategorie Classen Hybrid eindrucksvoll, wie anpassungsfähig moderne Designböden sein können. Ziel für Classen ist es, die besten technologischen Eigenschaften unterschiedlicher Produktwelten intelligent zu kombinieren - und das zu einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Als perfekte Ergänzung zu Ceramin, das sich eher im hochwertigen Preissegment bewegt, bietet Classen Hybrid ebenfalls eine zu 100 % PVC-freie Lösung, die maximale Flexibilität in der Produktentwicklung erlaubt.

In dieser Kategorie bündeln wir unsere technologische Kompetenz beider Produktionsstandorte: Einerseits verfügen wir über Laminat-ähnliche Produkte mit einer eigens entwickelten, hochverdichteten Trägerplatte auf Holzbasis, die eine hohe Wasserresistenz aufweist und mit detailreichen Synchrondesigns punktet. Andererseits führen wir mit Classen Hybrid nun auch ein neuartiges Produkt ein, das unsere Baruther Holzfaserplatte mit einer PP-basierten Ceramin-Oberfläche kombiniert - eine besonders robuste, wasserresistente, soft-touch Variante mit warmer Haptik und leisem Gehgefühl.

Und was macht Ihn besonders?

Classen Hybrid steht für die intelligente Kombination verschiedener technologischer Stärken - vereint in einer zu 100 % PVC-freien Produktkategorie. Besonders ist vor allem der modulare Aufbau, der sowohl klassische Laminatmerkmale wie eine hochverdichtete, wasserresistente Trägerplatte auf Holzbasis beinhaltet, als auch neuartige Varianten zulässt, bei denen unsere Holzfaserplatte mit einer PP-basierten Ceramin-Oberfläche kombiniert wird. Dadurch entsteht eine preislich attraktive Lösung mit Soft-Touch-Oberfläche, hoher Strapazierfähigkeit und angenehmer Akustik - und das bei gleichzeitig emissionsarmem, wohngesundem Raumklima. Die Flexibilität dieser Kategorie ermöglicht es uns, gezielt auf Marktbedürfnisse zu reagieren und neue Produktideen schnell marktfähig zu machen.

Welche sind die primären Einsatzbereiche und Zielmärkte für Classen Hybrid?

Classen Hybrid ist vielseitig einsetzbar: Im Wohnbereich überzeugt er durch seine warme Haptik und akustisch angenehme Oberfläche. Gleichzeitig eignet er sich dank robuster Eigenschaften und hoher Wasserresistenz auch für stärker frequentierte Räume und Übergangsbereiche. Zielmärkte sind insbesondere gesundheits- und qualitätsbewusste Verbraucher in Europa, allen voran in Deutschland, Frankreich und Skandinavien. Zudem sehen wir großes Potenzial im DIY- und E-Commerce-Segment, wo einfache Verlegung, Design und Wohngesundheit wichtige Kaufargumente sind.

Wo sortieren Sie Classen Hybrid im deutschen Markt ein?

Classen Hybrid positioniert sich als Premiumlösung im Bereich PVC-freier Bodenbeläge - unterhalb von Ceramin, aber oberhalb klassischer Laminatböden. Er spricht Kunden an, die ein hochwertiges, modernes Design mit wohngesunden Eigenschaften verbinden möchten, ohne dabei ihr Budget zu überstrapazieren. Die Vielfalt der Hybrid-Kategorie erlaubt zudem eine genaue Anpassung an Marktsegmente und Preislagen, ohne Kompromisse bei der Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit einzugehen.

Wie begleiten Sie die Einführung marketingmäßig?

Wir begleiten die Markteinführung mit einem umfassenden Marketingpaket, das sich sowohl an Handelspartner als auch an Endverbraucher richtet. Dazu zählen POS-Materialien, Schulungsangebote, Social-Media-Kampagnen, Erklärvideos und Website-Inhalte. Zudem wird Classen Hybrid durch gezielte Maßnahmen im E-Commerce sowie mit aufmerksamkeitsstarken Visualisierungen und Design-Tools unterstützt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Kommunikation der gesundheitlichen Vorteile, dem soft-touch Komfort und der Innovationsleistung "Made in Germany".

Und auf welche anderen neuen Produkte konzentrieren Sie sich aktuell noch?

Parallel zur Entwicklung des Hybridbodens arbeiten wir an beiden Standorten an weiteren Neuentwicklungen: Unser selbst entwickelter Ceramin-Boden ist natürlich weiterhin eines unserer Highlight-Produkte. Dafür haben wir gerade das Zertifikat Cradle to Cradle Material Health bekommen. Wir haben in den letzten zehn Jahren viel in ihn investiert - nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Energie. Aktuell arbeiten wir in Kaisersesch deshalb an der Einführung des DLE+-Verfahrens und treiben Ceramin Looselay und Ceramin Lay voran.

In Baruth, unserem Laminatwerk, setzen wir auf den Ausbau der wasserresistenten Kategorie, die Erweiterung des Fischgrät-Sortiments sowie die Weiterentwicklung der Synchronoberflächen-Technologie. Damit bauen wir unser gesamtes Produktportfolio in Richtung Gesundheit, Nachhaltigkeit und gestalterische Vielfalt konsequent weiter aus.

Das Interview führte stellte Claudia Weidt
"Wohngesundheit, Funktionalität und Design treffen den Nerv der Zeit"
Foto/Grafik: Classen Group
Classen baut sein Produktportfolio in Richtung Gesundheit, Nachhaltigkeit und gestalterische Vielfalt konsequent weiter aus.
"Wohngesundheit, Funktionalität und Design treffen den Nerv der Zeit"
Foto/Grafik: Classen Group
Céline Quervel, Jahrgang 1997, hält einen BA in Mediendesign und stieg 2020 nach ersten Stationen in diesem Bereich und als Produktmanagerin in die von ihrem Großvater Dr. Hans-Jürgen Hannig gegründete und geführte Classen-Gruppe ein. Zunächst wirkte sie im Corporate Marketing, übernahm später die Teamleitung und zeichnet heute als Head of Marketing. Parallel verantwortet sie seit 2023 auf Geschäftsführungsebene die Vertriebsaktivitäten der Gruppe. Ihre Schwestern Julie und Isabelle sind inzwischen auch in dem Familienunternehmen aktiv.
"Wohngesundheit, Funktionalität und Design treffen den Nerv der Zeit"
Foto/Grafik: Classen Group
Die eigene Fertigung verschafft Classen nicht nur die Kontrolle über Emissionen, Recycling und soziale Standards, sondern auch
"einen entscheidenden Innovationsvorsprung."
"Wohngesundheit, Funktionalität und Design treffen den Nerv der Zeit"
Foto/Grafik: Classen Group
Immer mehr neue Materialien, Technologien und Produktkonzepte machen einheitliche und verbindliche Standards wichtig, um Vergleichbarkeit und Orientierung für Handel und Verbraucher sicherzustellen.
"Wohngesundheit, Funktionalität und Design treffen den Nerv der Zeit"
Foto/Grafik: Classen Group
Classen Group
W. Classen GmbH & Co. KG
Werner-von-Siemens-Str. 18-20
56759 Kaisersesch
Tel.: 02653 9800
www.classengroup.com
info@classen.de

Gründung: 1962 durch
Dr. Hans-Jürgen Hannig
Geschäftsführung Holding:
Dr. Hans-Jürgen Hannig
Stefanie Quervel
Matthias Gorecki
Geschäftsführung
Classen International und
Head of Marketing:
Céline Quervel
Geschäftsbereiche:
Flooring (Bodenbeläge)
und Doors (Türen)
Produktionsgesellschaften:
4 in Kaisersesch,
Baruth, PL-Rybnik
Mitarbeiter:
ca. 2.000
aus Parkett Magazin 04/25 (Wirtschaft)