Ligna 2025: Kontinuität im 50. Jubiläumsjahr

KI erhöht die Taktzahl

Mit 1.433 Ausstellern und 78.000 Besuchern konnte sich die Ligna in ihrem 50. Jubiläumsjahr als wichtigste Plattform der internationalen holzbearbeitenden Industrie behaupten. Übergreifend präsent waren die Themenfelder Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. Parkett Magazin hat sich auf dem Branchentreff zu den neuesten Entwicklungen für die Flooring-Industrie informiert.

Im Nachgang zur Ligna 2025 meldeten die Veranstalter an fünf Messetagen im Mai rund 78.000 Besucher aus 156 Ländern. Das Fachpublikum informierte sich auf dem Messegelände in Hannover an den Ständen von 1.433 Ausstellern aus 49 Ländern über neue Technologien und Trends für die holzbe- und verarbeitende Industrie. "Damit liegen wir auf Vorveranstaltungsniveau. Das ist angesichts der Rahmenbedingungen ein starkes Ergebnis", konstatierte Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Messe. Die Kombination aus Innovationskraft, technologischem Fortschritt und Leidenschaft seien die beste Voraussetzung, dass wieder investiert werde.

Laut Veranstalter lag der Fachbesucheranteil bei 93 %, davon wiederum 60 % in leitenden Funktionen. Die meisten internationalen Besucher wurden aus Polen, Italien, Österreich, den Niederlanden, Frankreich und Belgien gezählt. "Die Ligna hat in einem unsicheren Umfeld für Motivation und Rückenwind gesorgt", bekräftigte Markus Hüllmann, Vorstandsvorsitzender des VDMA Fachverbands Holzbearbeitungsmaschinen. "Die Situation ist in jedem Segment und auch bei jedem Hersteller unterschiedlich, aber alle haben hier in Hannover wichtige Projekte besprochen und Energie getankt."

In den Produktgruppen Werkzeuge, Maschinen und Anlagen für die Einzel- und Serienfertigung, Oberflächentechnik sowie Maschinenkomponenten und Automatisierungstechnik präsentierten die ausstellenden Unternehmen ihre aktuellen Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Neben Entwicklungen im Hightech-Maschinenbau ging es vielfach um Systeme, die auf die Bedürfnisse von handwerklichen Betrieben bzw. kleineren industriellen Produktionen zugeschnitten sind.

Künstliche Intelligenz und
Robotik für die Holzbearbeitung

Übergreifend präsent waren auf der Ligna 2025 die Themenfelder Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz, vernetzte Produktion, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. Auch die Hersteller von Parkett und anderen holzbasierten Böden sowie Verlegezubehör können die Effizienz und Flexibilität ihrer Produktionen mit fortschrittlichen digitalen Entwicklungen weiter verbessern. Beispielsweise demonstrierte Hymmen seine Industry Intelligence-Lösung "Smart2i", die kürzlich in ein eigenständiges Start-up ausgegründet wurde: Über einen sogenannten "Digitalen Zwilling" wurden Produktionsanlagen virtuell auf den Messestand geholt, die Besucher konnten Fertigungsprozesse am Großmonitor verfolgen oder sich mittels AR-Brille gleich selbst in die Werkshalle hineinversetzen lassen. Dashboards veranschaulichten, welche relevanten Daten transparent in Diagrammen abgebildet und wie Verbesserungspotenziale intelligent analysiert werden. Die ganzheitliche Lösung kann in allen verketteten Produktionsprozessen eingesetzt werden, auch in anderen Industrien und mit Anlagenfabrikaten anderer Hersteller.

Weitere Anwendungen lagen bei Hymmen auf den Digitaldrucktechnologien Jupiter und DLE plus für Oberflächendekore und -strukturen sowie auf Kaschieranlagen und Flüssigbeschichtungslösungen inklusive Calender Coating Inert (CCI) für hochglänzende und supermatte Oberflächen. "Wir sind zufrieden mit der Qualität der Kontakte, die wir auf der Ligna hatten und versprechen uns hiervon einige neue Projektanstöße," fasste Hymmen-CEO Dr. René Pankoke die Ergebnisse der Messewoche im Nachhinein zusammen. Kunden aus mehr als 21 Ländern hatten er und sein Team auf dem Stand begrüßt.

Die Homag-Gruppe, die auf rund 5.500 m2-Fläche erstmals das gesamte Portfolio aller sieben Marken (Homag, Weinmann, System TM, Kallesoe, Schuler, Tapio und Benz) ausstellte, fokussierte indes auf die cloudbasierte Lösung Homag Intelligence. Sie verbindet sämtliche Daten von der Konfiguration über die Produktion bis zum Verkauf des fertigen Werkstücks - unabhängig vom Maschinenpark, der bestehenden Softwarelandschaft oder der Betriebsgröße. Im Hardware-Bereich stellte Homag unter anderem die neue Plattenaufteilsäge Sawteq S-200 Flex Tec vor - das Robotersägen-Einstiegsmodell adressiert mittelständische Betriebe, denen die Kombination aus automatisierten Prozessen und manuellem Handling die erforderliche Flexibilität bringt. Das kombinierte Robotersystem Drillteq V-310 führt dies in der CNC-Bearbeitung mit kontinuierlicher 24/7-Produktion beim Beschicken und Abstapeln fort. Homag verwies - auch in Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel - auf den Vorteil der chaotischen Stapelung im Losgröße-1-Betrieb.

Ein anderer großer Branchenplayer, die Weinig-Gruppe, bildete auf rund 5.000 m2-Ausstellungsfläche mit ihren Tochtergesellschaften Holz-Her, H.I.T. Maschinenbau, Essetre und dem Bereich Weinig System Solutions unter dem Credo "Automatisierung, Effizienz und Zukunftssicherheit" ebenfalls ein Komplettangebot für die Holzbranche ab. Zu den Maschinen-Highlights zählte die selbstrüstende Hobelanlage Powermat 3000 mit vollautomatischem Profilwechsel, das Vakuumportal WLP 200 für die vollautomatische Werkstückhandhabung sowie Weinigs innovative integrierte Komplettlösung (HS 200) mit Roboter-Beschickung, die unsortierte Ware mittels Vakuumgreifern ausgerichtet und der Keilzinkenanlage zuführt. Die Werkstücke werden über eine automatische Qualitätssortierung anhand von Oberflächenmerkmalen sortiert und ausgerichtet bzw. bei Mängeln direkt ausgeschleust. Eine rentable Lösung in Zeiten steigender Personalkosten und fehlenden Personals, unterstrich der Maschinenbauer aus Tauberbischofsheim.
Oberflächenbeschichtung: Verbesserungen der Nachhaltigkeitseigenschaften

In den Segmenten Oberflächenbeschichtungen und Klebstofftechnologien für Parkett und andere Bodenbeläge auf Holzbasis geht es zurzeit vor allem um die weitere Verbesserung von Nachhaltigkeitseigenschaften. Umweltfreundlichere, kennzeichnungsfreie Rezepturen minimieren potenzielle Gesundheitsrisiken und ersetzen fossile durch biobasierte Rohstoffanteile. Ein Beispiel von H.B. Fuller sind zwei neue Dispersionsklebstoffe (Rakoll Eco 3 MB 10 und Rakoll Eco 3 MB 25), die 10 bzw. 25 % bio-zirkuläre, massenbilanzierte Rohstoffe enthalten (ISCC Plus zertifiziert) und dabei erhöht wasserbeständig sind (gemäß D3-Norm). Außerdem führte der internationale Klebstoffkonzern zwei weitere kennzeichnungsfreie PUR-Schmelzklebstoffe (Rapidex NP 2381 und Rakoll 5258) mit niedrigem Monomergehalt und hoher Klebeleistung für anspruchsvolle Anwendungen wie modulare Fußböden und Parkett ein. "Unsere neu vorgestellten Entwicklungen spiegeln unser starkes Engagement für Nachhaltigkeit und Kundennutzen wider, um ihre Produktionsprozesse nachhaltiger, effizienter und sicherer zu gestalten", brachte Johannes Christiani, Business Development Manager, die Intention hinter den Neuentwicklungen im Messegespräch auf den Punkt.

Um die Reduktion von CO2-Emissionen durch die stärkere Nutzung von Rohstoffen aus erneuerbaren Quellen geht es auch Croma Lacke bei der Entwicklung moderner Systeme auf PU-, UV- und Wasserbasis, mit geringem VOC-Gehalt bzw. VOC- und formaldehydfrei. Dabei profitiert die italienische Konzernmutter IVM Chemicals in der Forschung und Entwicklung von der eigenen Bindemittelproduktion, betonte Claus Buchholz, Technical Director der deutschen Niederlassung in Herrenberg, im Messegespräch. Außerdem wies er auf neuentwickelte Lacksysteme für wasserfeste V-Fugen von Croma Lacke hin - dem anhaltenden Trend zu wasserfesten Laminatböden folgend. IVM Chemicals sprach nach der Messe von großer Zufriedenheit, nicht nur wegen der hohen Besucherzahl am Stand, sondern vor allem wegen der Qualität der geknüpften Kontakte - mit über 150 potenziellen Kunden. Darüber hinaus sei die Teilnahme auch wichtig für den Ausbau der Zusammenarbeit mit Anlagenherstellern gewesen. IVM hatte Live-Demos mit Giardina und Makor organisiert, damit sich die Fachbesucher von der Qualität und Zuverlässigkeit der Lacksysteme in der Anwendung überzeugen konnten.

|Imke Laurinat
aus Parkett Magazin 05/25 (Wirtschaft)