Interzum 2025: Der Wandel liegt in der Luft
Ressourcen neu denken
Wer durch die Hallen der Interzum 2025 ging, spürte: Die Branche richtet sich neu aus. Recycelbare Materialien, schlanke Prozesse, praktische moderne Lösungen. Viele Aussteller zeigen, wie sie auf die Krisen der letzten Jahre reagieren und senden ein Signal der Zuversicht.Hinter den meisten liegt eine herausfordernde Zeit. Und auch wenn die Gegenwart keine einfachen Antworten bietet, war die Stimmung auf der Interzum spürbar positiv. Der Tenor an vielen Ständen: Die Branche ist sichtbar in Bewegung. Mit über 1.600 Ausstellern auf 176.000 m
2 Fläche und rund 60.000 Fachbesuchern aus 148 Ländern untermauerte die Messe ihre Rolle als globaler Taktgeber für Möbelzulieferung und Innenausbau. Klare Signale, dass die Branche nach vorne schaut, waren sichtbar.
Auffällig war, dass es um pragmatische Ansätze ging, anstatt um theorethische Konzepte. "Rethinking Resources" wirkte weniger wie ein Marketingcrede, sondern eher wie eine Pflichtaufgabe. Der Druck kommt von mehreren Seiten: durch strengere Vorgaben, durch veränderte Kundenwünsche, die Herkunft und Wirkung eines Materials hinterfragen und nicht zuletzt durch die Tatsache, dass Holz ein nachwachsender, aber kein unerschöpflicher Rohstoff ist. Neue Lösungen sind gefragt. Nicht für die Produkte, sondern für die gesamte Lieferkette.
Finsa und Egger ließen das im Standkonzept sichtbar werden: mit recyclingfähigen Holzkonstruktionen. Egger folgte der Firmenphilosophie, möglichst viel mit Holz zu arbeiten, verwendete gezinktes Vollhoilz und verzichtete auf sichtbare Beschichtungen. Finsa konstruierte seinen Stand komplett aus Holz und schraubenfrei, damit vollständig wiederverwendbar.
Auch ein Thema: engere Kundenbeziehungen. Der direkte Austausch mit dem Markt rückt stärker in den Fokus. Deshalb war zum Beispiel Egger mit 140 Mitarbeitern, der "bisher größten Mannschaft", in Köln präsent: "Wir wollen näher an die Kunden". Neben dem Handel werden der Architekt und ausführende Gewerke vermehrt von vielen angesprochen, um zum Beispiel über Ausschreibungen ins Projektgeschäft zu gelangen. "Wer baut, will wissen, womit er arbeitet", sagte einer.
Von Spanplatte bis Software
Auffällig: viele Messestände waren nicht mit Produkten überfrachtet, sondern aufgeräumt. Egger beispielsweise zeigte statt des üblichen Vollsortiments ausgewählte Schwerpunkte. "Wir haben nicht mehr den gesamten Egger-Bauchladen dabei, wollen unsere Kunden inspirieren, nicht überladen", so die Erklärung. Ein Highlight - und mit dem Interzum Award ausgezeichnet - war Repeatless, eine Dekorneuheit ohne Rapport. Zudem will Egger mit einem neuen digitalen Beratungstool die Dekorauswahl einfacher und anschaulicher machen, indem ein Handmuster großflächig auf einer LED-Wand in der Anwendung gezeigt wird.
Auch Finsa präsentierte sich bewusst als Problemlöser und Spezialist im MDF-Bereich. "Wir bieten aktuell sogar Picking an, d.h. wir liefern einzelne Platten fix und fertig. Früher hätte man nie gedacht, dass das funktioniert, aber der Markt hat sich verändert", konstatiert Vertriebsleiter Ivo Smits. Mit seinem Produkt Superpan, einer Mischung aus MDF und Spanplatte, beansprucht das Unternehmen Alleinstellung im Markt. Unilin Panels rückte seine Recycling-Technologie für MDF in den Mittelpunkt, ein wichtiger Schritt für die Kreislaufwirtschaft und ebenfalls mit dem Interzum Award prämiert.
"Die Interzum 2025 hat eindrucksvoll gezeigt, wie groß der Veränderungswille ist", resümierte Matthias Pollmann, Geschäftsbereichsleiter Messemanagement der Köln Messe. "Und wie sehr die Branche gewillt ist, Zukunft aktiv zu gestalten." Die nächste Interzum ist für den 11. bis 14. Mai 2027 terminiert.
aus
Parkett Magazin 05/25
(Wirtschaft)