Holzland: Immer mehr junge Frauen im Holzhandel
Wie Nachfolge und Netzwerk die Branche verändern
Die Holzbranche ist traditionell von Männern dominiert: Früher galten Sägewerk, Lagerhalle, Werkstatt und Ausstellung als klassisches Terrain männlicher Fachkräfte. Das ändert sich - immer mehr Frauen übernehmen Verantwortung im Holzhandel. Holzland stellt sechs junge Frauen vor, die sich für den Werkstoff Holz und die Holzwirtschaft begeistern, Führungspersönlichkeiten einer neuen Generation, die frischen Wind in die Kooperation und die Branche bringen."Unser Vater hat uns schon früh mitgenommen, sei es zu Werksbesuchen oder zu Auslieferungen" erinnert sich Daria Kauth. "Als Kind war ich sehr beeindruckt, als mein Vater und ein Lieferant Holzstämme betrachteten und auf einen Blick erkannten, welche Holzart es ist. Da wusste ich: Das will ich auch können." Inzwischen arbeitet sie gemeinsam mit ihrer Schwester Chiara im Familienbetrieb Holzwelt Kauth in Messerich - mit Begeisterung für das Produkt und dem Willen, ihren Platz in der Holzwirtschaft zu finden. "Wir arbeiten in einer hochinteressanten Branche, die immer mehr mit Veränderungen konfrontiert ist", sagt sie. Als junge Frau fühlt sie sich heutzutage aber nicht mehr als Besonderheit in der Holzbranche.
Denn auch bei Holz Metzger zum Beispiel ist die weibliche Nachfolge längst Realität. Annabelle und Carina Metzger bringen mit betriebswirtschaftlichem Know-how neue Impulse in den elterlichen Holzhandel: "Es ist die Kombination aus Liebe zum Material, dem Charme eines Familienunternehmens und der Gewissheit, in einer grundsoliden, sympathischen Branche zu arbeiten", sagen die beiden Schwestern. Sie wissen aber auch: Der Weg als Frau in einem traditionell geprägten Umfeld braucht Mut, Offenheit und ein gutes Netzwerk. Die Holzbranche zeigt sich noch immer als Männerdomäne. "Als ich 2019 meine Ausbildung in einem anderen Unternehmen gestartet habe, war ich noch die einzige Frau im Verkaufsteam", erinnert Daria Kauth. Auch bei Enna Stoellger, die seit 2023 im Familienunternehmen arbeitet, war das nicht anders: "Bevor meine Kollegin aus dem Mutterschutz wiederkam, war ich die einzige Frau im Betrieb."
Annabelle und Carina Metzger beschreiben die Branche als "Hart, aber herzlich". Ihr Erfolgsrezept: "Nicht unterkriegen lassen, nicht gleich aufgeben und sich nicht alles gefallen lassen." Und: Humor hilft immer. "Wenn Kunden meinen, dass eine Frau sie nicht so gut beraten kann wie ein Mann, langt manchmal ein flotter Spruch - und natürlich gute Arbeit", stellt Enna Stoellger fest. Für Rückhalt sorgen Familie, Mitarbeiter und Händlerkollegen und auch Lieferanten gleichermaßen. "Viele Menschen haben uns den Einstieg leicht gemacht", sagt Annabelle Metzger. "Der Austausch ist ehrlich, bereichernd und frei von Vorurteilen."
Holzland Young Professionals
als Schlüssel zur Vernetzung
Genau hier setzt auch das Netzwerk der Holzland Young Professionals an. Dazu Patricia Sesing, E-Commerce-Managerin bei Holzland und Mitinitiatorin der Community: "Wir wollten den Juniorinnen und Junioren eine Plattform bieten, die sie wirklich verdient haben. Dass immer mehr Frauen dabei sind, ist eine tolle Entwicklung." Zur ersten Veranstaltung der Young Professionals im Jahr 2022 kamen zwei Frauen, in diesem Jahr sind es bereits sieben. Die Herausforderungen der Nachwuchsführungskräfte sind oft ähnlich - spannend ist, wie unterschiedlich die Voraussetzungen und Herangehensweisen dabei sind", konstatiert Sesing. Annabelle Metzger gefällt, dass die Gruppe offen und wertungsfrei ist. "So fällt es einem leicht, über aktuelle Herausforderungen, beispielsweise in der Unternehmensnachfolge, zu sprechen. Hier dürfen auch schwierige Themen auf den Tisch kommen."
Frauen verändern die
Unternehmenskultur positiv
Unternehmerin und Beraterin Nicole M. Pfeffer sieht in der wachsenden Frauen-Quote einen bedeutenden Treiber für Veränderungen der Unternehmenskultur und Innovationskraft: "Frauen setzen ihren Fokus oft nicht auf Status, sondern auf Sinn und Gestaltung. Sie suchen den Mehrwert ihrer Rolle - für das Unternehmen, das Team und sich selbst." Nach Pfeffers Beobachtung verändert sich die Unternehmenskultur spürbar ab einer Frauenquote von 30 % - das Werte- und Kommunikationsverständnis wird vielfältiger, menschlicher, zukunftsorientierter." Ein zentrales Hemmnis blieben allerdings überholte Vorstellungen von Vereinbarkeit: "Frauen suchen Lösungen, um Familie und Beruf zu verbinden - nicht nur durch Teilzeit, sondern durch intelligente Modelle. Ich nenne das Work-Family-Passion. Wenn Betriebe hier mitziehen, entsteht echter Wandel."
Die weiblichen Holzland-Nachwuchsführungskräfte sind überzeugt: Vielfalt ist kein Trend, sondern Zukunft. Daria Kauth fordert: "Wir müssen sichtbarer werden. Nur so entsteht ein realistisches Bild von unserer Arbeit - und damit auch von den Chancen für junge Frauen." Carina Metzger sieht die Verantwortung auf beiden Seiten: "Die Branche muss ihr Image modernisieren - aber Frauen sollten auch mutig sein." Chiara Kauth bringt es auf den Punkt: "Einfach machen!"
aus
Parkett Magazin 05/25
(Wirtschaft)