Fachpraxis Restaurierung: Parkett Kleditzsch in Schloss Lauterbach

Aufarbeitung historischer Felderdielenböden

Die erfahrenen Restauratoren von Parkett Kleditzsch nahmen sich in Schloss Lauterbach zweier historischer Böden an: In einem Raum konnte der aufgenommene Felderboden aus quadratischen Nadelholz-Kassetten und Eiche-Friesen sorgfältig restauriert und wiederverlegt werden, im anderen wurde die Felderdielung fachgerecht rekonstruiert.

Die Geschichte von Schloss Lauterbach lässt sich bald sieben Jahrhunderte zurückverfolgen: 1350 zunächst ein urkundlich erwähnter Herrensitz, ab 1551 ein Rittergut und 1704 die Errichtung des Herrenhauses, das später erweitert werden sollte. Nach 1946 folgten Nutzungen als Ferienheim, Lehrlingswohnheim, Kindergarten und Oberschule. 1996 wurde das Rittergut schließlich privatisiert, das Schloss blieb Eigentum der Gemeinde Ebersbach. Zusammen mit dem 2006 gegründeten Förderverein "Schloss und Park Lauterbach" wird es saniert, restauriert und erneuert.

Im Herbst 2024 erhielt Parkett Kleditzsch (Pockau-Lengefeld) den Auftrag zur Aufarbeitung eines Felddielenbodens im ersten Obergeschoss des Gebäudes. Die Hälfte der Fläche war für die Sanierung der Balken bereits fachlich richtig ausgebaut und eingelagert worden. An den ausgebauten Dielenbrettern und Friesen waren aber weder die Lage im Raum noch die Verlegerichtung gekennzeichnet. Im Raum lag ein neuer Blindboden aus Nadelholz, der das Höhenniveau der historischen Holzbalken hatte.

Beurteilung von Boden und Unterkonstruktion

Der Felderboden besteht aus quadratischen Nadelholz-Kassetten (ca. 92 bis 94 cm) und Eiche-Friesen (Breite 11 cm). Beim Ausbau des Bodens wurden in der Schüttung unter mehreren Dielenfeldern Tapetenreste mit der originalen Leinenbespannung und Zeitungsreste aus der Mitte des 19. Jahrhunderts gefunden. Deshalb ist eine Originalverlegung aus der Umbauphase von 1865 wahrscheinlich. Die Felder und Friese wiesen wenige sichtbare große Risse und Abplatzungen auf. Die Oberfläche war durch die Bauarbeiten stark verschmutzt, Reste einer Oberflächenbehandlung nicht erkennbar. In den Fensternischen und Bereichen der Raumecken fehlten Felder.

Die Tafeln waren größtenteils eine Zweitverlegung, die aus einer alten Breitdielung aus Nadelholz gefertigt worden waren. Die originale abgelaufene Oberseite war nach unten gedreht und die alten Nagellöcher mit Hirnholzstöpseln geschlossen worden. Die anderen Tafeln hatten eine sägeraue Unterseite. Innerhalb der Felder, in denen die Nadelholzbretter mehrfach mit Warmleim verleimt worden waren, hatten sich viele Klebefugen gelöst.

Die originale Verlegung war mittels Nägeln mit Vierkantpyramidenkopf von oben in die Friese und den unteren Falz erfolgt. Die Dielenfelder lagen als Überplattung auf den Friesen auf. Die Friese waren parallel zu den Fenstern auf Raumlänge durchgehend, überplattet als Doppelgehrungsfriese ausgebildet. Die Randfriese waren gerade um den Raum verlegt worden, die Dielenfelder von oben an den Hirnseiten in die Holzbalken und an den Längsseiten in den Friesfalz genagelt. Die noch original verlegten Bodenelemente lagen direkt auf den Balken auf. Unter den Balkenfeldern fand sich die ursprüngliche Lehmschüttung mit Bauschutt. Hobelspäne und Spaltholz aus Nadelholz dienten zum Höhenausgleich. Die andere Raumseite war nach der Balkensanierung mit Rauhspunddielung belegt worden.

Restaurierungsarbeiten

In einem der beiden Räume sollte die restaurierte Felderdielung wiederverlegt werden. Fehlende Bereiche sollten rekonstruiert werden, ergänzt in den Fensternischen um Eiche-Außenfriese und Nadelholz-Dielenfelder passend zum Raum. Der Felderdielen sollten von oben sichtbar in die Friese genagelt werden. Im zweiten Raum sollte ein neuer Felderdielenboden verlegt werden, mit der Felderlänge entsprechend des Nebenraumes und der Felderbreite etwas schmaler wegen der geringeren Raumbreite.

Im September 2024 baute Parkett Kleditzsch den Felderdielenboden aus. Alle Felder und Friese wurden schonend aufgenommen, rückseitig gekennzeichnet und in Verlegepläne eingezeichnet. Die ausgebauten sowie die im Schloss eingelagerten Dielen und Friese wurden in die Werkstatt transportiert. Dort begann die eigentliche Restaurierung mit dem Entnageln, was sich durch die Menge der Nägel als zeitraubend erwies. Dann wurden die Einzelteile gesäubert und in der Trockenkammer eine thermische Schädlingsbekämpfung durchgeführt.

Beim anschließenden Auslegen der gesamten Fläche konnten die Restauratoren alle eingelagerten Felderdielen und Friese wieder ihrem ursprünglichen Platz in der Gesamtfläche zuordnen. Mit der Kennzeichnung und Nummerierung aller Einzelteile und Eintragen in den Verlegeplan wurde der Ist-Zustand dokumentiert. Dann wurden alle Felderdielen und Friese mit der Breitbandschleifmaschine rückseitig plan geschliffen, Dielenbretter mit Fehlstellen an den Schnittkanten sauber beschnitten und die Fehlstellen mit Altholz ergänzt. Dielenfelder mit zu geringer Stärke wurden mit Altholz auf die Sollstärke verleimt. An einigen Friesen wurden Abplatzungen durch Altholz ergänzt.

Verlegearbeiten im Schloss

Im März 2025 konnten der Boden in Schloss Lauterbach wiederverlegt werden. In der Raumhälfte mit den Original-Balkenfeldern wurde der Unterbau vorbereitet und alle Auffüllungen aus Hobelspänen bis auf die Schüttungen wurden entfernt. Um eine Auflage für den neuen Blindboden zu schaffen, entstand durch seitlich angeschraubte Leisten eine neue Unterkonstruktion zwischen den Balken. Eine Rauspund-Dielung wurde auf die Länge der Balkenfelder zugeschnitten und höhengleich mit den Balken eingebaut. Alle Bretter mussten längsseitig an die Form der Balken zugeschnitten und eingepasst werden. Noch vorhandene Unebenheiten in den Holzbalken wurden mit der Holzfräse egalisiert.

Dann bauten die Parkettleger alle restaurierten Friese und Dielenfelder gemäß Verlegeplan in ihrer ursprünglichen Lage wieder ein. Die beiden Fensternischen ergänzten sie nach historischen Vorbildern mit Altholz. Die Friese wurden verdeckt und von oben in den Unterbau geschraubt, die Dielenfelder an den Rändern in die Friesauflage. Breite Fugen in den Felderdielen wurden mit Altholz ausgespänt, Nagellöcher verschlossen durch Verspachteln in mehreren Arbeitsgängen mit farblich an das Holz der Dielenfelder angepasster Fugenspachtelmasse. Ebenso die Längsseiten der Dielenfelder, da diese teilweise sehr ausgeplatzt waren. An den Hirnseiten verwendeten die Handwerker für die Spalten zwischen Dielenfeldern und Friesen eine auf die Farbe der Friese eingefärbte Spachtelmasse.

Anschließend erhielt der Boden einen substanzschonenden sauberen Schliff und mit dem umseitigen Nageln der Dielenfelder mit zeittypischen Vierkant-Pyramidenkopfnägeln sein ursprüngliches Erscheinungsbild zurück. Für die Oberflächenbehandlung kam abschließend zuerst Öl und dann ein Wachs aus der Akzent 100-Linie von Loba auf den sorgfältig restaurierten Holzboden.

ila
Aufarbeitung historischer Felderdielenböden
Foto/Grafik: Kleditzsch
Vorher: So fand Parkett Kleditzsch den Felderdielenboden vor.
Aufarbeitung historischer Felderdielenböden
Foto/Grafik: Kleditzsch
Nachher: Seit März 2025 liegt der sorgfältig restaurierte Felderdielenboden wieder in Schloss Lauterbach.
Aufarbeitung historischer Felderdielenböden
Foto/Grafik: Kleditzsch
Ein Großteil der Dielen stellte sich als gedrehte Zweitverlegung heraus.
Aufarbeitung historischer Felderdielenböden
Foto/Grafik: Kleditzsch
Ergänzen der Fehlstellen mit Altholz.
Aufarbeitung historischer Felderdielenböden
Foto/Grafik: Kleditzsch
Der rekonstruierte, neu verlegte Felderboden im Nebenraum.
Aufarbeitung historischer Felderdielenböden
Foto/Grafik: Kleditzsch
Das Projekt
Objekt: Schloss Lauterbach, Ebersbach
Restaurierung: Felddielenböden in zwei Räumen im 1. OG
Auftraggeber: Gemeinde Ebersbach
Restaurator: Gerd Kleditzsch, Parkett Kleditzsch, Pockau-Lengefeld
Ausführung: September 2024 – März 2025
aus Parkett Magazin 06/25 (Referenz)