Tapeten auf der Heimtextil
Mit Optimismus in schwierigen Zeiten bestehen
Die deutschen Tapetenhersteller stemmen sich mit Innovationen und neuen Kollektionen gegen maue Nachfrage, unsichere Marktbedingungen und strukturelle Veränderungen. Gleichzeitig schwindet die Bedeutung der Heimtextil als Treffpunkt der Branche. Die Situation bleibt angespannt.Die deutschen Tapetenhersteller zeigten in Frankfurt tapfer Flagge: Zwar fehlten die Leco-Werke, die letztes Jahr dabei waren, und erneut auch Erismann, dafür war A.S. Creátion wieder dabei und die Hembus Tapetenmanufaktur hatte Messepremiere. Somit waren von den zwölf im Verband der Deutschen Tapetenindustrie (VDT) organisierten Anbietern immerhin acht in Frankfurt vertreten.
Was von einigen Herstellern bemängelt wurde: Der Termin überschnitt sich teilweise mit der Messe Maison & Objet in Paris; das kostete Frankfurt Aussteller und Fachbesucher. Tatsächlich registrierten Industrie und Verbände auf den Gängen weniger Betrieb als noch in den Vorjahren. Das mag auch daran liegen, dass Inneneinrichter und das Handwerk traditionell seltener die Heimtextil besuchen und die Anzahl der Fachgeschäfte und Raumausstatter insgesamt abnimmt. Ralf Vowinkel, Präsident des Zentralverbands Raum und Ausstattung (ZVR), bestätigte dies: "Leider hat sich ein Trend der letzten Jahre weiter fortgesetzt." Er kritisierte aber auch die heimische Industrie: "Durch das Fernbleiben nationaler Aussteller wird es zunehmend schwieriger, Kolleginnen, Kollegen und Mitglieder für einen Messebesuch zu gewinnen." Paul Eitel, Geschäftsführer der Marburger Tapetenfabrik, stellte Ähnliches fest: "Was wir zunehmend vermissen, ist unser Heimatmarkt. Trotz der kürzesten Anreise kommen immer weniger Kunden aus Deutschland auf die Messe. Diese Entwicklung beobachten wir mit Sorge, da die Heimtextil gerade für den nationalen Markt eine wichtige Plattform wäre."
Messe als Weckruf
und Impulsgeber
Setzt sich diese Entwicklung fort, schwindet die Bedeutung der Heimtextil als Treffpunkt der Tapetenbranche. Ralf Vowinkel mahnte: "Die Branche sollte sich bewusst machen, welches Privileg es ist, mit der Heimtextil eine internationale Leitmesse in Frankfurt zu haben. Ohne diesen traditionellen Impuls zu Jahresbeginn würde dem Raumausstatter- und Interior-Bereich etwas Wesentliches fehlen. Wir brauchen die Heimtextil, dessen sollten wir uns bewusst sein." Deshalb appelliert er an alle Lieferanten sowie an seine Kollegen: "Besucht die Messe und nutzt diese Plattform aktiv!" Auch Paul Eitel unterstreicht die Bedeutung der Messe: "Für uns als Unternehmen ist die Heimtextil die Auftaktveranstaltung des Jahres. Sie wirkt wie ein Weckruf: Alle werden aus dem Winterschlaf geholt, Ziele werden definiert und die Energie für das neue Jahr ist deutlich spürbar."
Allerdings verliert die Heimtextil schon seit einiger Zeit ihre Bedeutung als klassische Ordermesse. "Der Fokus liegt klar auf Präsentation, Inspiration und Austausch - die konkreten Aufträge werden in der Regel im Nachgang der Messe geschrieben", erklärte Eitel. Trotz dieser Entwicklung bleibt die Messe für Ralf Vowinkel zentraler Treffpunkt für Networking, Austausch, Information, Weiterbildung und gibt den Startimpuls fürs neue Geschäftsjahr.
Qualität vor Quantität
Die Tapetenhersteller waren wie 2025 in Halle 3.0 mit teilweise nochmals verkleinerten Ständen gebündelt, sodass interessierte Fachbesucher ohne viele Lauf- und Umwege das Angebot in Augenschein nehmen konnten. In der Halle waren auch Aussteller von Deko- und Möbelstoffen sowie Sonnenschutz zu finden, der Gemeinschaftsstand des Deco Teams als attraktiver Anziehungspunkt befand sich ebenfalls dort. Dieses Umfeld wurde von den Tapetenherstellern als wertig empfunden - gute Voraussetzungen also, um gute Gespräche zu führen.
Tatsächlich bewerteten sie sowohl Resonanz und Qualität der Kundenkontakte übergreifend als gut. "Wir sind sehr zufrieden. Die Heimtextil hat sich erneut als wichtiger Treffpunkt für internationale Entscheider und Inspirationsquelle für das neue Geschäftsjahr bestätigt", resümierte Paul Eitel. Tine Coopman, Marketingleiterin von The Wall Fashion House, stellte fest: "Die Besucher nahmen sich Zeit, zeigten echtes Interesse, und die Diskussionen gingen häufig direkt ins Detail, zum Beispiel bei der Sortimentspositionierung, der Logistik und Verfügbarkeit." Und noch etwas fiel auf: die positive Stimmung und Einstellung. "Die Atmosphäre auf der Messe war von Zuversicht und einem konstruktiven Austausch geprägt, trotz der aktuell schwierigen Rahmenbedingungen", brachte es Stefan Gauger, Marketingleiter von A.S. Création, auf den Punkt.
Tapeten für alle
Am Produkt Tapete selbst liegt es nicht, dass die Branche solche Probleme beim Absatz hat. Der Blick auf und in die Kollektionen zeigt innovative Sortimente wie selbstklebende Tapeten, Varianten für Feuchträume, bisher nicht gekannte Materialkombinationen und dazu das Aufgreifen des Trends zu Nachhaltigkeit und Gesundheit mit Produkten, die schadstofffrei sind, die Umwelt und Ressourcen schonen. Und bei der riesigen Vielfalt an Dessins, Texturen und Farbvarianten ist absolut für jeden Geschmack etwas dabei, wie diese Heimtextil wieder zeigte.
Für die Vermarktung und fürs Image der Tapete wird auch einiges getan. Hersteller und Handel bieten Schulungen und Beratung, um das Fachhandwerk fürs Tapezieren zu qualifizieren. Einen wichtigen Beitrag leistet der VDT mit öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten wie den Tapetenwochen, die an Endverbraucher adressiert sind, und mit der Auszeichnung "Tapete des Jahres" (siehe Seite 65). Geschäftsführer Karsten Brandt freute sich: "Die Initiative ist jetzt im zweiten Jahr und wird vom Markt und der Fachöffentlichkeit sehr gut angenommen. Die Siegerprodukte zeigen die Breite des Sortiments - mit Tapete kann man so viel machen."
Blick nach vorne
Bleiben also zuletzt die Hoffnung und die Zuversicht auf einen besseren Geschäftsverlauf in diesem Jahr als 2025. Die Tapetenbranche rechnet weiter mit schwierigen Rahmenbedingungen. Die geopolitischen Unsicherheiten können zu weiteren Nachfragerückgängen führen, weil sie die Stimmung und das Kaufverhalten der Kunden beeinflussen. Dass die Baukonjunktur im gewünschten Maß anzieht, bleibt fraglich. So werde 2026 ähnlich herausfordernd sein wie das vergangene Jahr.
Allerdings: Mit den Innovationen und den neuen Kollektionen sehen sich die Tapetenhersteller gut aufgestellt. Und so könnte das Fazit von der Heimtextil lauten: Wir sind bereit und voller Zuversicht!
| Matthias Heilig
aus
BTH Heimtex 02/26
(Wirtschaft)