Heimtextil Frankfurt

"Wir hören genau hin"

Die Heimtextil 2026 war eine Messe unter besonderen Vorzeichen. Bettina Bär, Direktorin der Heimtextil, blickt auf das zurück, was diese Ausgabe geprägt hat.

BTH Heimtex: Jede Heimtextil steht unter anderen Vorzeichen. Was war aus Ihrer Sicht prägend für diese Ausgabe und wie haben Sie die Atmosphäre in den Hallen erlebt?

Bettina Bär: Wir erleben aktuell ein Marktumfeld, das von zahlreichen Herausforderungen geprägt ist: wirtschaftliche Unsicherheiten, veränderte Kundenanforderungen und technologische Entwicklungen, die Geschäftsmodelle spürbar verändern. In dieser Zeit braucht die Branche Orientierung - und genau hier setzt die Heimtextil an: als stabile Plattform, die Halt gibt und Zuversicht schafft. Aus diesem Selbstverständnis heraus stand die diesjährige Veranstaltung unter klaren Vorzeichen - und genau daraus ist unser Leitmotiv entstanden: "Lead the Change".

In den Hallen hat man schnell gemerkt, wie wichtig der Austausch war. Viele Gespräche drehten sich darum, Dinge einzuordnen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam nach vorne zu schauen. Dabei wurde eines besonders deutlich: Das lässt sich nicht allein bewältigen. Die Heimtextil hat gezeigt, wie viel Kraft darin liegt, wenn eine Branche zusammenkommt, Wissen teilt und gemeinsam anpackt. Aus diesem Miteinander ist Vertrauen entstanden, dass wir diese schwierigen Zeiten gemeinsam meistern können.

BTH Heimtex: Besucherzahlen, Internationalität, Aussteller Feedback: Welche Kennzahlen sind für Sie wirklich aussagekräftig?

Bettina Bär: Eine Kennzahl, die für mich besonders aussagekräftig ist, ist der hohe Anteil an Besuchern mit Entscheidungsbefugnis. Dass 78 % Top-Entscheider sind - und dieser Wert im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gestiegen ist -, spiegelt sehr gut wider, was ich auf der Messe wahrgenommen habe. In Gesprächen mit Ausstellern kam immer wieder zur Sprache, wie hoch die Qualität der Begegnungen war. Man merkt, dass hier die richtigen Gesprächspartner zusammenkommen.

Und wer zukunftsfähig bleiben will, muss wissen, was in den relevanten Märkten passiert. Mit 96 % internationalen Ausstellern und 86 % internationalen Besuchern trifft sich auf der Heimtextil die gesamte textile Welt.

BTH Heimtex: Groß, international, breit aufgestellt - das war lange das Erfolgsmodell von Messen. Ist diese Logik heute eher Stärke oder Hindernis, wenn es darum geht, klar definierte Zielgruppen wie das Fachhandwerk wirklich zu erreichen?

Bettina Bär: Ich sehe diese Breite ganz klar als Stärke. Durch ihre Größe und Internationalität ist die Heimtextil der Melting Pot der Branche. Hier kommen Akteure aus unterschiedlichsten Märkten zusammen - und genau daraus entstehen neue Sichtweisen. Die große Angebotsvielfalt ermöglicht es, Entwicklungen einzuordnen und den Blick über das eigene Marktsegment hinaus zu richten. Das ist für viele Zielgruppen - auch für das Fachhandwerk - ein echter Mehrwert.

Gleichzeitig haben sich die Rahmenbedingungen spürbar verändert: Zeit ist knapper, Teams sind kleiner, Messebesuche müssen heute effizient geplant werden. Umso wichtiger ist Orientierung. Genau deshalb haben wir die Hallenstruktur gezielt weiterentwickelt und stärker thematisch gegliedert. Die Halle 3.0 ist dafür ein gutes Beispiel: Mit dem Deco Team ist sie die zentrale Anlaufstelle für Raumausstatter und den Fachhandel. Hier sind relevante Angebote rund um die ganzheitliche Innenraumgestaltung gebündelt und eingebettet in ein Umfeld mit weiteren internationalen Ausstellern, die genau diese Zielgruppe ansprechen.

Unser Anspruch ist es, die internationale Vielfalt der Heimtextil so zu strukturieren und den Austausch gezielt zu fördern, dass beides in der verfügbaren Zeit gut nutzbar ist. Klare Zugänge, kurze Wege und relevante Inhalte stehen dabei im Mittelpunkt. Genauso wichtig ist für uns der Dialog: Wir hören genau hin, wie diese Angebote genutzt werden und wo es noch Bedarf gibt. Auf dieser Basis entwickeln wir die Heimtextil kontinuierlich weiter - gemeinsam mit der Branche und mit Blick auf die kommende Ausgabe 2027.
| Die Fragen stellte Michaela Fischer.
aus BTH Heimtex 02/26 (Wirtschaft)