Euroshop
Euroshop zeigt Ladenbau zwischen Effizienz und Gestaltung
Mit konstanten Zahlen für Besucher und Aussteller behauptet sich die Euroshop als internationale Leitmesse für die Ausstattung von Retail-Flächen. Bodenbeläge haben hier inzwischen viele Funktionen, entsprechend breit war das Angebot der Industrie.Willst du was gelten, mach dich selten, heißt es. Bei der Euroshop scheint diese Binsenweisheit durchaus zu greifen. Denn während zahlreiche Branchenveranstaltungen derzeit mit schwindender Relevanz und Besucherschwund kämpfen, behauptet sich die Düsseldorfer Messe mit bemerkenswerter Stabilität. Die Euroshop findet nur alle drei Jahre statt und genau dieser Turnus verleiht ihr offenbar Gewicht. Wer hier ausstellt oder anreist, kommt mit klaren Erwartungen: Orientierung, Investitionsimpulse, belastbare Kontakte. Rund 81.000 Fachbesucherinnen und -besucher informierten sich bei 1.840 Ausstellern - das ist zwar längst kein Vor-Corona-Niveau, entspricht aber ziemlich exakt den Dimensionen der Vorveranstaltung 2023.
Diese Konstanz ist für eine Messe und vor allem eine mit Retail-Fokus keine Selbstverständlichkeit. Denn der stationäre Handel steht unter Druck. Steigende Kosten, vorsichtiger Konsum, sinkende Frequenzen und der Wettbewerb durch den Onlinehandel zwingen Händler, Flächen effizient zu nutzen und Investitionen genau zu priorisieren. Geld fließt vor allem dort, wo Wirtschaftlichkeit, Flexibilität und Gestaltung ineinandergreifen.
Internationale Plattform
für den Handelsbau
Die Euroshop spiegelte diese Gemengelage wider: weniger Show, mehr konkrete Lösungsansätze. In vierzehn Hallen reichte das Spektrum von Ladenbau, Licht und Visual Merchandising über Kühl- und Energietechnik bis zu IT, Sicherheit und Zahlungsabwicklung. Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit prägten die Präsentationen. Gezeigt wurden vernetzte Beleuchtungssysteme, energieeffiziente Kühlmöbel, digitale Preisschilder, KI-gestützte Beratungs- und Analyse-Tools, automatisierte Checkout-Lösungen und smarte Einkaufswagen. Viele Anwendungen waren in realitätsnahen Store-Settings erlebbar.
Doch Ladenbau ist nicht nur Technik. Der physische Raum bleibt zentrales Differenzierungsmerkmal - und damit rückt Materialität in den Fokus. Im Bereich Materials & Surfaces, zu dem Wand-, Decken- und Bodenlösungen zählen, zeigte sich, wie Oberflächen heute strategisch eingesetzt werden. Halle 11, in der sich die Bodenbelagsanbieter konzentrierten, war gut frequentiert. Wie überall auf der Messe, war auch hier die Internationalität hoch: Insgesamt trafen Aussteller aus 61 Nationen auf Besucher aus 141 Ländern; das Publikum kam zu rund zwei Dritteln aus dem Ausland, etwa jeder Fünfte sogar von außerhalb Europas. Die Messe zeigte sich damit nicht nur Branchenbarometer, sondern als wichtige Exportplattform.
Bodenbelag
als strategische Fläche
Bodenbeläge haben sich im Retail vom funktionalen Untergrund zum aktiven Gestaltungsmittel entwickelt. Sie strukturieren Zonen, lenken Laufwege, definieren Markenbereiche und beeinflussen die Aufenthaltsqualität. Entsprechend werden Beläge frühzeitig in die Planung integriert. Prägend auf der Messe waren modulare Looselay-LVT-Systeme, häufig mit verdeckten Verriegelungen wie Schwalbenschwanzverbindungen, die eine optisch gleichmäßige Fläche bilden und einen schnellen Austausch einzelner Elemente ermöglichen. Händler profitieren hier von hoher Anpassungsfähigkeit: Sortimentswechsel, saisonale Umbauten oder Pop-up-Konzepte lassen sich ohne große bauliche Eingriffe umsetzen. In hochfrequentierten Bereichen zählen zudem Robustheit, einfache Reinigung und kalkulierbare Lebenszykluskosten.
Gestalterisch waren Terrazzo-Optiken ebenso präsent wie klassische Holzdesigns, die weiterhin als robuste Grundlage für unterschiedlichste Ladenkonzepte gelten - vom hellen, skandinavischen Look bis zu dunkleren Nuancen. Ergänzt wurden sie oft durch farbige Akzente, etwa gedeckte Grüntöne, die als verbindendes Element in offenen Raumstrukturen dienen. Der Boden wirkt dabei weniger als Blickfang, sondern als belastbare Bühne für wechselnde Inszenierungen.
Nachhaltigkeit spielte auf der Euroshop ebenfalls eine wichtige Rolle. Recycelbare Materialien, rückbaubare Systeme und ressourcenschonende Lösungen wurden vielfach gezeigt. Während das Thema andernorts im Objekt häufig das dominierende Verkaufsargument ist, scheint es im Ladenbau weniger als singulärer Treiber zu fungieren, sondern vielmehr als selbstverständlicher Bestandteil ganzheitlicher Konzepte. Ökologische Kriterien sind wichtig, dominieren jedoch selten isoliert. Vielmehr wurde Nachhaltigkeit dort gezeigt, wo sie sinnvoll in Produkt und Konzeptlösungen eingebettet ist, kombiniert mit Langlebigkeit, Funktionalität, Design und Wirtschaftlichkeit.
Wissensplattform
und Standortbestimmung
Auch das Rahmenprogramm stieß auf hohe Resonanz. Auf mehreren Bühnen diskutierten Branchenvertreter, Planer und Wissenschaftler über datengetriebene Geschäftsmodelle, Energieeffizienz, neue Innenstadtstrategien und veränderte Konsumgewohnheiten. Thematisch kuratierte Guided Tours und eine Store Tour zu ausgewählten Ladenkonzepten ergänzten das Angebot und ermöglichten den Vergleich zwischen Messe und realem Betrieb.
Gerade weil die Euroshop nur alle drei Jahre stattfindet, bündelt sie Entwicklungen über längere Zyklen. Kurzfristige Moden treten in den Hintergrund, strukturelle Fragen rücken in den Vordergrund. Der stationäre Handel wird nicht infrage gestellt, wohl aber seine Ausgestaltung. Dass die 23. Ausgabe zugleich das 60-jährige Bestehen markierte, unterstreicht die Wandlungsfähigkeit dieser Plattform. 1966 gestartet als Fachmesse für "Moderne Läden und Schaufenster", ist die Euroshop heute eine lebendige, internationale Investitionsgütermesse für den weltweiten Handelsbau. Die Messe bietet Orientierung in einem Markt, der von wirtschaftlichen Unruhen geplagt ist und zugleich hohe Anforderungen an Effizienz, Gestaltung und Nachhaltigkeit stellt.
André SperberForbo Flooring
Looselay im Fokus
Forbo Flooring präsentierte auf der Messe die gesamte Bandbreite des Portfolios - von Textilbelägen über LVT bis hin zu Linoleum auf Boden und Möbeln. Im Mittelpunkt stand die aktualisierte Kollektion Allura Puzzle. Das LVT-Looselay-System mit Schwalbenschwanzprofil ist nun auch in kleineren Formaten erhältlich. "Looselay ist einfach ein großes Thema", so Carina Bartsch aus dem Marketing. Da der Belag nicht verklebt wird, lassen sich Flächen schnell verlegen, wieder aufnehmen und erneut einsetzen - ein klarer Vorteil im Retail und im Messebau. Neu aufgelegt wurde auch Allura Decibel mit Trittschalldämmung. Für April kündigt Forbo zudem ein Design-Update der Flotex Planks an, einer robusten, pflegeleichten Textilfliese mit Vinylrücken. Linoleum gewinnt laut Bartsch wieder an Aufmerksamkeit, auch aufgrund der Kreislauffähigkeit. Beim Design Marmoleum Cocoa sind die eingestreuten Kakaobohnenschalen, ein Nebenprodukt aus der Schokoladenindustrie - ein kleines Detail mit nachhaltigem Ansatz.
Retail bleibt für Forbo insgesamt ein zentrales Geschäftsfeld. Viele Handelsunternehmen statten ganze Filialnetze aus. "Das ist ein kooperatives Geschäft. Da kommt Fläche zusammen", so Bartsch. Impulse setzt Forbo dabei weniger über den Großhandel, sondern vermehrt im direkten Projektgeschäft.
Gerflor Mipolam
Schnell und robust
Während bei Gerflor vor drei Jahren noch der klassische Ladenbau (Pure Retail) dominierte, rückte diesmal der Food-Bereich in den Vordergrund. Entsprechend war der Stand einem Supermarkt nachempfunden. Gezeigt wurden unter anderem die GTI Tiles, die für stark frequentierte Bereiche konzipiert sind und selbst Hubwagen oder Gabelstapler problemlos aushalten - trotz kleberfreier Verlegung. Ebenfalls im Fokus stand die Kollektion Creation 70 Mega Clic mit dem patentierten doppelten vertikalen Klicksystem. Die Design Tiles mit einem Recyclinganteil von bis zu 80 % ermöglichen die Fugenoptik von Keramik nachzubilden, dank eines Schwalbenschwanzprofils, das unter der Nutzschicht verborgen liegt. "Unsere Kunden interessiert vor allem das Thema Schnelligkeit", erklärte Raffaele Bogatz, Verkaufsleiter Ladenbau & Hospitality. "Jeder Tag, an dem ein Supermarkt länger geschlossen ist, kostet Geld." Viele der Beläge lassen sich daher direkt über bestehende Fliesen verlegen, was eine aufwendige Untergrundvorbereitung spart und auch bei laufendem Betrieb erledigt werden kann.
Wirtschaftlich blickt Gerflor im Ladenbau auf ein ordentliches Jahr 2025, leicht über Vorjahr. "Ich würde sagen, die Stimmung ist wieder offener als zuletzt", so Bogatz. Bezogen auf den deutschen Markt macht das Ladenbausegment für den Hersteller rund 10 % des Gesamtumsatzes aus.
Objectflor
Zwischen Dauerläufer
und Differenzierung
Auf gut 100 m nutzte Objectflor seinen Messestand, um Fläche zu zeigen statt nur einzelne Muster. Im Mittelpunkt stand die Retail- und Objektkollektion Expona Commercial, die im September 2025 einen Relaunch erfahren hat. Sie umfasst Designbeläge mit 0,55 mm Nutzschicht in zwölf Formaten und 72 Dekoren. Besonders gefragt sind großformatige 90 x 90 cm-Fliesen mit ultramatter Oberfläche für stark frequentierte Laufzonen. "Die Formate werden größer, die Flächen ruhiger - das passt in viele aktuelle Konzepte", erläuterte Ulrike Keßler aus Marketing und Produktmanagement. Neben den zurückhaltenden Dauerläufern brauche es jedoch auch Dekore, die Aufmerksamkeit erzeugen und eine Geschichte erzählen. Ein Beispiel ist ein Design mit textiler Anmutung im Jute-Look, das Akzente setzen kann. Solche Hingucker seien keine Volumenprodukte, zeigten aber, was LVT leisten kann: hohe Robustheit und einfache Pflege bei zugleich gestalterisch anspruchsvoller Optik. Für zusätzliche Impulse sorgte die Fliesenkollektion Expona Fabrik: ein gewobener Vinyl-Bodenbelag, 3 mm stark und vollständig reinigungsfähig. Diese Mischform aus LVT und textiler Fliese, so ergänzte Geschäftsführer Stephan Wolff, komme sehr gut an im Markt und biete ein klares Differenzierungsmerkmal im Objektbereich.
Uzin Utz
Verklebung
ohne Rückstände
Über den Stand von Uzin Utz führte Matthew Brown, Managing Director UK und Global Head of Corporate Business Development. Wichtigstes Thema war hier das Sigan-Klebesystem, mit dem Vinyl-, Holz- oder Fliesenböden auf bestehenden Belägen verlegt und später rückstandslos entfernt werden können. So sind laut Unternehmen schnelle Renovierungen und temporäre Nutzungen ohne aufwendige Demontagen möglich - ein Vorteil bei Ladenumgestaltungen, Messeauftritten oder Pop-up-Stores. Nach der Entfernung kann der ursprüngliche Bodenbelag weiterhin genutzt werden. Vor Ort veranschaulichten Mitarbeiter die Anwendung in Live-Demonstrationen.
Neben Sigan präsentierte Uzin Utz unter anderem den doppelseitig klebenden Folienträger Plurafilm Hydro, der die Verklebung von textilen und elastischen Bodenbelägen auf Untergründen mit Restfeuchte ermöglicht.
Tarkett
Individuelle
Designlösungen
Tarkett stellte Design, Individualisierung und Kreislaufkonzepte in den Mittelpunkt seines Auftritts. Blickfang am Stand waren eine überdimensionale Damenhandtasche und ein Tisch in Maßband-Optik als Symbole für gestalterische Vielfalt und individuelle Designlösungen. "Bei den größten Brands, die wir begleiten, ist fast nie etwas von der Stange", sagte Tim Koza-Achenbach, Head of Sales Stores, Shops, Hospitality & Leisure. Durch die europäische Produktion könne der Hersteller flexibel auf Anforderungen von Handelsketten und Betreibern reagieren. "Die Kunden sagen uns, worum es geht - wir versuchen, das umzusetzen."
Zum Portfolio auf der Euroshop gehörten unter anderem die homogenen IQ Bodenbeläge, insbesondere die neue Kollektion IQ Motion mit terrazzoähnlicher Chip-Optik. Die PVC-Beläge seien renovierbar und können nach einer Grundreinigung mechanisch wieder verdichtet werden. "Wenn der Boden nach Jahren doch erneuert wird, nehmen wir das Material zurück, granulieren es und führen es wieder in den Produktionskreislauf", erläuterte Koza-Achenbach.
Auch die Linoleumlinie Lino Materiale mit fühlbarer Struktur, verursacht durch einen höheren Korkanteil, wurde in zahlreichen Farbvarianten präsentiert.
Egger
Gestalterische Gesamtkonzepte
Holzwerkstoffhersteller Egger hatte die Kollektion Dekorativ 26+ dabei, die im Februar gestartet ist und über 360 Dekor- und Strukturkombinationen für den modernen Möbel- und Innenausbau umfasst. Alexander Reinsch, Gebietsverkaufsleitung Handel, betonte: "Wir zeigen, wie Boden, Möbel und Arbeitsflächen perfekt aufeinander abgestimmt werden können - das eröffnet völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten." Die Kollektion verbindet aktuelle Designtrends wie warme, natürliche Farbtöne, ruhige Holzoptiken und supermatte Oberflächen mit funktionalen Holzwerkstoffen. Mit der Weiterentwicklung der Perfect-Sense-Technologie entstehen Stein- und Marmordekore mit Tiefenwirkung, hochwertiger Haptik und Anti-Fingerprint-Eigenschaften. Digitale Angebote wie Interior Match und Visualisierungstools unterstützen Planer und Händler bei der Gestaltung individueller Konzepte. Ergänzt wird die Kollektion durch dekorative Akustikpaneele.
Jab Anstoetz
Akustik im Fokus
Der Stand von Jab Anstoetz stand unter dem Motto Spotlight. Dementsprechend präsentierte das Unternehmen seine Produkte unter überdimensionierten Lampenschirmen aus Stoff. Unter den aktuellen Kollektionen und Neuheiten fanden sich handgefertigte Teppiche, Vinyl-Bodenbeläge und Möbel aus den Bielefelder Werkstätten. Ziel war es, Materialien und Designlösungen zu zeigen, die nicht nur optisch, sondern auch funktional in modernen Objekten überzeugen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Thema Akustik: Die Bielefelder zeigten Wand- und Deckenpaneele, die gezielt die Raumakustik verbessern, Hintergrundgeräusche reduzieren und in Büros oder Hotellerie eingesetzt werden können. Ergänzend wurden Akustikvorhänge vorgestellt, die durch integriertes Absorbermaterial eine flexible Raumzonierung ermöglichen.
aus
BTH Heimtex 04/26
(Wirtschaft)