35 Jahre Innung Parkett und Fußbodentechnik Nordost
Wertschätzung für Geleistetes, Zusammenhalt für Kommendes
Die Innung Parkett und Fußbodentechnik Nordost hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 1990 weiterentwickelt, neue Wege eingeschlagen und Übergänge gestaltet. 122 Teilnehmer aus Mitgliederkreisen stachen anlässlich des Jubiläums im November in See mit Kurs auf Oslo. Parkett Magazin teilt Einblicke von der Jahrestagung und Jubiläumsfeier dieser in 35 Jahren beeindruckend gewachsenen und vorwärtsgerichteten Innungsgemeinschaft.In der Innung Parkett und Fußbodentechnik Nordost organisieren sich seit 1990 die Fachbetriebe aus Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Das 35-jährige Jubiläum feierten 122 Teilnehmer aus Mitglieder- und Fördermitgliederkreisen im November an Bord des Fährschiffs Color Line mit Route Kiel-Oslo-Kiel. Rund ein Drittel der Stimmberechtigten - 38 von insgesamt aktuell 137 ordentlichen Mitgliedern und 74 Gastmitgliedern - waren der Einladung gefolgt. Wertschätzung für Geleistetes hatte während der zweitägigen Jubiläumsreise genauso Raum wie der Blick auf die aktuellen Herausforderungen der Handwerksunternehmen und auf ihr gemeinsames Weiterkommen.
Auf der Fachtagung an Bord des Schiffs benannte der Innungsvorstand bewältigte und anhaltende Aufgaben der größten deutschen Parkettlegerinnung und ihrer Fachbetriebe. "Wir feiern 35 Jahre Innung Parkett und Fußbodentechnik Nordost. Dieser Meilenstein erfüllt uns mit Stolz und lässt uns zugleich dankbar zurückblicken auf das, was unsere Gemeinschaft in mehr als drei Jahrzehnten geschafft, bewegt und geprägt hat", stimmte Obermeister Holger Wiehle auf die Jubiläumsveranstaltung ein. Die Innung Nordost sei von Beginn an ein Zusammenschluss von Menschen, die sich mit Leidenschaft, Fachwissen und Herzblut dem Parkettlegerhandwerk verschrieben haben. "Und unsere Innung ist gewachsen - mit den Aufgaben und Herausforderungen, aber vor allem mit den Menschen, die sie tragen, die mit ihrem Engagement, ihrer Bereitschaft zur Zusammenarbeit und ihrem Vertrauen die Grundlage dafür geschaffen haben, dass wir heute auf eine starke, lebendige und zukunftsfähige Gemeinschaft blicken können." Besonders hervor hob er die über Jahrzehnte erfolgreiche Meisterausbildung, die weit über die Region Nordost hinaus in den Betrieben, in der Ausbildung und in der Fachöffentlichkeit ihre Wirkung entfalte. Über Generationen hinweg sei der Meisterprüfungsvorbereitungskurs im Parkettlegehandwerk auf fachlich hohem Niveau zu einem Markenzeichen der Innung Nordost geworden.
"Unsere Innung hat Zukunft"
Die Mitglieder der Gemeinschaft haben handwerkliche Zeitgeschichte geschrieben, Umbrüche erlebt, Übergänge gestaltet und neue Wege gewagt - Wiehle dankte allen Mitgliedern, Fördermitgliedern, Funktionsträgern, Betrieben, Lehrenden und Meistern sowie Auszubildenden, die Teil dieser Geschichte waren und sind. "Die Zeiten haben sich verändert, die Materialien, die Märkte und die Ansprüche. Und wir? Wir sind mitgewachsen, haben uns neu erfunden, wo es nötig war, und haben uns, wo es schwer wurde, gegenseitig gestärkt und getragen." Gerade diese Vielfalt an Erfahrungen habe gezeigt, dass eine Innung mehr ist als ein organisatorischer Zusammenschluss, sondern ein Stück gelebte Gemeinschaft - ein Netzwerk von Menschen, die füreinander einstünden. "Rückblickend haben wir viel geschafft, in der Gegenwart stehen wir stabil und stark - und vorausblickend wissen wir, unsere Innung hat Zukunft", unterstrich Wiehle, der wie gewohnt eloquent zusammen mit seinem Vorstandsteam - seinem Stellvertreter Robert Mutschall sowie Guido Barth, Ricco Zellhuber, Ericco Krügerke, Wolfram Ziegs und Tom Willner - durch die Tagung führte.
Als Ehrengast überbrachte der Bundesinnungsmeister Grußworte an die Versammlung. "Die Innung Nordost war immer stark aufgestellt, in den letzten Jahren ist sie noch stärker geworden", konstatierte Manfred Weber - und verwies zugleich auf die fruchtbare Zusammenarbeit auf Bundesverbandsebene in dem siebenköpfigen BVPF-Vorstand, in dem sich Holger Wiehle als sein Stellvertreter ebenfalls erfolgreich einbringt. "Wir haben in den letzten vier Jahren vieles auf den Weg gebracht, besonders mit dem Beitritt in den Unternehmerverband Deutsches Handwerk, in dem wir politisch eine Basis gefunden haben - man hört in Berlin mittlerweile auf uns", stellte Weber fest und appellierte an die Innungsmitglieder: "Lassen Sie uns gemeinsam nach vorne blicken und die Zukunft unseres Parkettlegerhandwerks aktiv gestalten. Mit Zusammenarbeit, Erfahrung und neuen Ideen schaffen wir eine starke Basis für das, was vor uns liegt."
Situationsbericht:
Licht und Schatten im Nordosten
Auf das, was aktuell vor den Fachbetrieben im Nordosten liegt, kam der Vorstand in seinem Situationsbericht noch tiefergehend zu sprechen. Die wirtschaftliche Stimmung in den Mitgliedsbetrieben schilderte er darin sehr konträr: Während die Auftragslage der Handwerker in Ballungsgebieten wie Leipzig, Dresden oder Berlin sehr gut sei und dort in manchen Betrieben eher die Fachkräfte fehlen, um die viele Arbeit überhaupt leisten zu können, würden manche Betriebe in strukturschwachen Regionen von Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und dem Oderland Anlass zur Sorge geben. Einige von ihnen hätten an ihrem Standort mangels Aufträgen und mangels Gesellen kaum die Möglichkeit zu reagieren, um ihr Geschäft wenigsten halbwegs aufrechtzuerhalten - und "den Schlüssel schon in der Hand, um zum Jahresende zuzusperren".
Gerade diese Fachbetrieben leiden besonders unter dem, was dem Parkettlegerhandwerk generell zu schaffen macht: Auf der einen Seite Verlegeleistungen, die in einschlägigen Online-Portalen zu Dumping-Preisen angeboten werden, auf der anderen Seite der immer größere Aufwand angesichts überbordender Bürokratie und steigender Betriebskosten. Höhere Entgelttarife in der Folge höherer Mindestlöhne würden handwerkspolitisch die Frage aufwerfen, wie die Betriebe das zusätzliche Wachstum im Markt umsetzen und generieren können. "Es gibt eine dramatische Schieflage, die gerade die Betriebe in den strukturschwachen Regionen trifft", mahnte Wiehle und bekräftigte: "Wir erleben harte und sehr besondere Zeiten - aber gerade wir in unserer Region hatten so etwas schon einmal, wir kennen das und können damit umgehen."
Fachkräftemangel:
Handwerk fordert Bildungswende
Besondere Zeiten erlebt das Parketthandwerk auch wegen der Sorgen, die ihm der Fachkräftenachwuchs zunehmend bereitet. Nicht nur im Nordosten, sondern landesweit werde in den Fachbetrieben die Erfahrung gemacht, dass Auszubildende heute oft nicht mehr belastbar seien und ihnen zudem die Lernbereitschaft fehle, berichtete der Innungsvorstand. "Die aktuelle Bildungspolitik und ihre Auswirkung auf unsere nächste Generation lässt sehr zu wünschen übrig. Wir erleben eine Bildungspolitik, die in ihrer Rhetorik von Chancengleichheit und Förderung spricht, aber in der Realität die falschen Prioritäten setzt." Während Ausbildungsstellen in den Unternehmen unbesetzt blieben, weil die Bewerber nicht die erforderlichen Voraussetzungen etwa in Deutsch oder Mathematik mitbrächten, würde an den Universitäten erneut die Herabsetzung des Numerus Clausus diskutiert. "Wir brauchen eine Bildungswende mit einer starken Dualität und beruflicher akademischer Bildung, mehr finanzielle und ideelle Voraussetzungen und Förderungen für die Berufsschulen und die Meisterschulen", forderte der Obermeister.
Ein praktisches Beispiel zur schwierigen Situation in der Ausbildung schilderte Vorstandsmitglied Ricco Zellhuber von der Berufsschule in Plauen, die seit kurzem von dem neuen Schulleiter Jan Spranger geleitet wird und in der zurzeit in allen drei Lehrjahren zusammen 48 Parkett- und 56 Bodenleger unterrichtet werden. "Zur Parkettleger-Gesellenprüfung waren zuletzt 20 Auszubildende angetreten, fünf davon sind in der praktischen Prüfung durchgefallen, obwohl sie die Aufgabe vorher kannten - da hätten sie doch mal die Kreissäge auspacken und üben können", stellte der Lehrlingswart aus Thüringen hinsichtlich dieser enormen Durchfallquote eher ratlos fest.
Positives berichtete indes der Berliner Parkettlegermeister Robert Mutschall, der die BVPF-Fachgruppe Aus- und Weiterbildung stellvertretend leitet, vom Auftritt des Berufsnachwuchses auf der Deutschen Meisterschaft des Handwerks, die wenige Tage zuvor an der Max-Bill-Berufsschule in Berlin ausgetragen worden war: "Acht Parkett- und vier Bodenleger haben teilgenommen - und ihre sehr gut umgesetzten Arbeitsaufgaben haben es der Prüfungskommission nicht leicht gemacht, die Bundessieger zu ermitteln", lobte Mutschall. Bei der Siegerehrung im Haus des Deutschen Handwerks freuten sich schließlich der Parkettleger Niklas Koch aus Bayern und der Bodenlger Besnik Hadja aus Rheinland-Pfalz über die ersten Plätze. Und dann hatte der stellvertretende Obermeister noch eine Information für fortbildungswillige Gesellen: Der nächste Meisterkurs der Innung Nordost startet Mitte Februar 2026 - mit Stand November zwölf Teilnehmern.
Parallel zu fachlicher steht längst die digitale Kompetenz auf dem Lehrplan der Handwerksbetriebe. Aus seiner Vorstandsarbeit in der damit befassten BVPF-Fachgruppe informierte Ericco Krügerke auf er Tagung. "Wir bringen die Themen der Digitalisierung für unsere Mitgliedsbetriebe voran." Bei ihrem kommenden Treffen im März beschäftigt sich die Gruppe schwerpunktmäßig mit der Sicherheit von Computern, Netzwerken, Daten und Systemen vor digitalen Angriffen. "Das Thema Cybersecurity sollte in unserem Innungskreis gerade die kleineren Betriebe erreichen, die sich dafür keine eigenen Spezialisten leisten können", betonte Krügerke, der die Mitglieder zu diesen und anderen Fragestellungen der Digitalisierung in der Sprache des Handwerks berät.
Die nächste Zusammenkunft der Innung Nordost steht bereits fest: Am 14. April 2026 lädt der Vorstand zur Frühjahrsversammlung in Landsberg bei Halle an der Saale ein.
Imke LaurinatEhrungen
Große Bühne für Jung-Meister und zahlreiche Silber-Meister
Der Vorstand der Innung Nordost ehrte an Bord des Fährschiffs die frisch gebackenen Landessieger der Parkettlegergesellen Willi Baor und Simon Spitzer, die Jungmeister Tom Schäfer, Tim Schäfer, Amias Langkau und Maximilian Zehr sowie für sein wertgeschätztes Engagement im Prüfungsausschuss Andreas Spann. Eine Überraschung auf der Tagesordnung war die Überreichung von zwölf Silbernen Meisterbriefen. Die Handwerkskammer hat die Urkunden für das 25-jährige Meisterjubiläum ergänzend zum Goldenen Meisterbrief (50 Jahre) vor Kurzem neu aufgelegt. Den Kreis der Geehrten bildeten Cliff Langkau, Stefan Hauswald, Karsten Jäger, Martin Hopsch, Mario Gräfe, Gerd Kleditzsch, Volker Liebenow, Thomas Hass, Torsten Weber, Wolfram Ziegs, Guido Barth und der Schornsteinfegermeister Karsten Schulze.
"Vor Gericht hat noch keiner einen Kunden gewonnen"
Perspektivwechsel können bekanntlich Großes bewirken. In seiner Keynote "Streiten, aber richtig" gab der Sachverständige und zertifizierte Mediator Manfred Weber den Handwerksunternehmern wirksame Impulse und praktische Tipps zum Umgang mit Konflikten, die mit Kunden und Mitarbeitern immer dann vorprogrammiert sind, wenn unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse oder Wünsche aufeinandertreffen. "Entscheidend ist die individuelle Haltung, wie wir miteinander sprechen und wie wir handeln", weiß Weber um die Crux, im Streit die eigenen Emotionen unter Kontrolle zu behalten. Als Grundlage für eine faire Auseinandersetzung sollte man besser zuerst die eigenen Gefühle klären und zudem bereit sein anzuerkennen, dass auch das Gegenüber seine eigenen Vorstellungen hat und haben darf.
Oft ist es also besser, erst einmal durchzuatmen und sich ein paar Sekunden zurückzuhalten, bevor man die eigene Meinung formuliert. "Das Sinnvollste und zugleich Schwierigste beim Streiten ist das Zuhören", sagt Weber. Denn niemand könne in einer Stresssituation gleichzeitig dem anderen zuhören und versuchen ihn zu verstehen, solange er vor allem mit seiner eigenen Meinung beschäftigt ist. "Bleiben Sie sachlich, faktenorientiert und respektvoll, zeigen Sie Verständnis und Kompromissbereitschaft", lautet der Rat des Mediators. Und: "Kommen Sie dem Kunden auch mal entgegen, wenn bei einem Auftrag etwas schiefgegangen sein sollte und möglicherweise sogar Folgeaufträge auf dem Spiel stehen. Wer auf den Kunden zugeht, nimmt ihm schon mal ordentlich Gegenwind. Denn: Vor Gericht hat noch keiner einen Kunden gewonnen."
aus
Parkett Magazin 01/26
(Wirtschaft)