2024 ein weiteres Krisenjahr für die deutsche Bodenbelagsindustrie

Die Statistik zur Bodenbelagsproduktion in Deutschland hat weniger Lücken als im Vorjahr. Aber die nun wieder etwas vollständigeren Zahlen für 2024 sind nicht gut: Insgesamt wurde weniger produziert und die Quadratmeterpreise sind gesunken.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Produktion von Bodenbelägen in Deutschland im Jahr 2024 sprechen eine deutliche Sprache: Menge und Wert sind insgesamt und für die meisten einzelnen Produktgruppen rückläufig. Daran kann auch die Tatsache nichts ändern, dass es 2023 neben den üblichen weißen Flecken in der Statistik (siehe "Was Sie zu den Zahlen wissen müssen" auf Seite 18) noch zusätzliche Lücken bei Untergruppen der textilen und keramischen Beläge gab, die für das abgelaufene Geschäftsjahr wieder gestopft wurden. Dies verzerrt lediglich das Gesamtbild beziehungsweise macht den direkten Vergleich zwischen 2023 und 2024 unmöglich - die negative Grundtendenz bleibt davon unberührt. Und so ist unabhängig von den Unzulänglichkeiten festzuhalten: Mit insgesamt 272,2 Mio. m2 war die Menge an Bodenbelägen aus deutscher Produktion das dritte Jahr in Folge rückläufig. Gegenüber 2021 (367,9 Mio. m2) ist ein Viertel der Quadratmeter verloren gegangen.

Beim Produktionswert ist der Rückgang nicht ganz so gravierend. Lag dieser 2021 noch bei 2,47 Mrd. EUR und im Jahr darauf sogar bei 2,50 Mrd. EUR, wurden für 2024 über alle Produktgruppen hinweg 2,11 Mrd. EUR ermittelt; verglichen mit 2021 also ein Minus von 14 %. Gestiegene Kosten für Personal, Energie, Rohstoffe etc. spielen in dieser Statistik natürlich keine Rolle. Für die Hersteller aber schon, so dass sich deren wirtschaftliche Situation aktuell noch weitaus schwieriger darstellen dürfte als es die Entwicklung bei den Produktionszahlen auf den ersten Blick vermuten lässt.

Textile Beläge:
Mehr produziert,
aber weniger umgesetzt

Textile Beläge sorgten schon 2023 für eine Überraschung mit Zunahmen bei Produktionsmenge und -wert. Zumindest was die Menge angeht, ging es auch 2024 aufwärts. 6 % mehr Nadelvliesbeläge verließen deutsche Werksgelände. Bei gewebten Teppichböden ist ein Vergleich aufgrund unvollständiger Vorjahreswerte nicht möglich. Getuftete Ware schwankt seit Jahren um die Marke von 20 Mio. m2, lag diesmal aber wieder darunter. Insgesamt wurden 55,0 Mio. m2 hergestellt, bereinigt um fehlende Angaben wären das 2 % mehr als im Jahr zuvor und verglichen mit 2022 sogar knapp 6 % Zuwachs.

Anders sieht es beim Produktionswert aus, der binnen eines Jahres um 3 % auf 389,0 Mio. EUR gesunken ist. Nadelvlies und Webware konnte zulegen, getuftete und "andere" Teppichböden büßten ein. Der Vergleich von Mengen- und Wertentwicklung zeigt: Die Quadratmeterpreise konnten teils gehalten werden, insgesamt sind sie jedoch gesunken. Und wer mehr verkauft, aber weniger einnimmt, der hat ein Problem.

Elastische Beläge:
PVC-Beläge die größten Verlierer

Hersteller elastischer Beläge dürften ebenfalls Sorgenfalten auf der Stirn haben. Hier sind Menge - insgesamt 83,5 Mio. m2 (-4 %) - und Wert (758,1 Mio. EUR, -6 %) rückläufig. Von dieser Entwicklung ist keine Produktgruppe verschont geblieben. Die mit 53,7 Mio. m2 (-3 %) dominierenden PVC-Beläge hat es mit einem Minus von 8 % beim Produktionswert besonders hart getroffen. Bei Gummibelägen ist die Diskrepanz zwischen dem Rückgang bei Menge (-3 %) und Wert (-5 %) nicht ganz so groß. Elastische Beläge aus anderen Kunststoffen konnten ihr Preisniveau sogar leicht ausbauen, auch wenn der Produktionswert ebenfalls unter dem des Vorjahres liegt.

An dieser Stelle der Hinweis, dass Linoleumbeläge für die Statistik zwar erfasst, die Werte aber nicht veröffentlicht werden. Bei nur noch einem Hersteller in Deutschland wäre die Anonymität der Daten nicht gewahrt.

Laminat:
Talsohle erreicht?

Die nach Quadratmetern bei weitem größte Produktgruppe in Deutschland produzierter Bodenbeläge war und bleibt Laminat. Aber das einstige Trendprodukt hat schwere Jahre hinter sich. Allein zwischen 2021 (174,4 Mio. m2) und 2023 (119,8 Mio. m2) ging die Produktionsmenge um ein Drittel zurück. Dagegen nimmt sich das aktuelle Minus von gut 1 % sehr gering aus. Ein mögliches Indiz dafür, dass die Talsohle erreicht ist.

Allerdings gilt das nicht für den seit dem Vorjahr herrschenden Preisverfall: 2023 übertraf erstmals der Rückgang des Produktionswertes die Mengeneinbußen um 2 %; aktuell liegt die Lücke schon bei 10 %.

Parkett:
Turnaround noch nicht geschafft

Nicht mehr ganz so dramatisch wie 2023, als Produktionsmenge und -wert um 38 beziehungsweise 32 % eingebrochen waren, ist die Lage der deutschen Parkettindustrie. Aber von einer Trendwende zu sprechen, wäre noch nicht gerechtfertigt. Denn die mit aktuell 3,4 Mio. m2 dominierende Produktgruppe Mehrschichtparkett schwächelt weiterhin. Ein Rückgang von 9 % in der Menge und 11 % im Wert ist bestimmend für die Gesamtbilanz. Da nützt es auch nichts, dass Stabparkett (119.100 m2, +5 %) und Mosaikparkett (21.671 m2, +2 %) mengenmäßig zulegen konnten - ihr Marktanteil ist schlicht zu klein.

Insgesamt wurden 2024 also nahezu 3,6 Mio. m2 (-8 %) Parkett in Deutschland produziert. Der Wert belief sich auf 137,5 Mio. EUR (-10 %). Demnach sind auch in dieser Produktgruppe die Durchschnittspreise gesunken.

Keramische Bodenbeläge:
Menge hat sich innerhalb von
zwei Jahren halbiert

Das Statistische Bundesamt erfasst Zahlen für keramische Fliesen in drei Unterkategorien, trennt aber nicht nach Produkten für den Boden und für die Wand. Wir beziffern den Anteil der Bodenfliesen auf 60 % an der Gesamtproduktion und führen in unserer Statistik dementsprechend bereinigte Angaben zu Menge und Wert.

Nicht sinnvoll ausgleichen ließen sich jedoch die fehlenden Zahlen für 2023, als in der offiziellen Statistik gleich für zwei Untergruppen die Wertangaben und für eine die Menge fehlte. Daher bietet sich für keramische Bodenbeläge ein Vergleich der Jahre 2022 und 2024 an. Der zeigt einen dramatischen Rückgang der Produktionsmenge: Innerhalb von zwei Jahren hat sich diese von 22,7 Mio. auf 12,0 Mio. m2 nahezu halbiert. Die Minderung des Produktionswertes (aktuell 202,3 Mio. EUR) um lediglich ein Drittel wird für die Industrie nur ein schwacher Trost sein.
| Thomas Pfnorr


Was Sie zu den Zahlen wissen müssen
Wer sich für die Produktionszahlen - nicht den Absatz - von Bodenbelägen in Deutschland interessiert, kommt an den Informationen des Statistischen Bundesamtes nicht vorbei. Weder die Verbände noch die Hersteller selbst machen konkrete Angaben zu den Mengen und deren Wert. Dennoch sind die Veröffentlichungen der Statistiker mit Vorsicht zu genießen, lassen sich die Zahlen nicht ohne Weiteres mit der Entwicklung unserer Branche gleichsetzen. Denn das Statistische Bundesamt hat seine eigene Systematik: Es fasst teilweise Erzeugnisse für ganz unterschiedliche Einsatzzwecke auch jenseits der Raumausstattung zusammen, ohne die Mengenverhältnisse aufzuschlüsseln, verwendet uneinheitliche Maßangaben oder darf für einzelne Produktgruppen keine Zahlen veröffentlichen, weil aufgrund der geringen Zahl der Hersteller in Deutschland Rückschlüsse auf deren Geschäftsverlauf gezogen werden könnten. Hier einige Beispiele:

-Bei textilen Belägen sind die Produktionsmengen für die Automobilindustrie enthalten.
-Bei keramischen und PVC-Belägen sind auch die Produktionsmengen für Wand- und Deckenverkleidungen enthalten.
-Die Mengen für Gummibeläge werden nach Gewicht und nicht nach Quadratmetern angegeben - und enthalten die Zahlen für Fußmatten.
-Für Linoleum werden keine Zahlen veröffentlicht; zu wenige Hersteller.

Wir bemühen uns, diese Defizite in unserer Darstellung auszugleichen. Bei Gummibelägen rechnen wir mit 12,5 kg/m2. Von der Gesamtproduktion keramischer Fliesen entfallen unserer Rechnung nach 60 % auf Bodenbeläge. Für die Produktionsmenge "Teppichböden andere" fehlt uns ein solcher Umrechnungsfaktor und wir machen daher keine Angaben.

Ungeachtet dieser Einschränkungen geben die Zahlen des Statistischen Bundesamtes die Entwicklung in der Produktion wieder. Wir werden sie daher auch in Zukunft mit den entsprechenden Bemerkungen veröffentlichen.
2024 ein weiteres Krisenjahr für die deutsche Bodenbelagsindustrie
Foto/Grafik: SN-Verlag; Quelle: Statistisches Bundesamt (Juni 2025), eigene Berechnungen
Bodenbelagsproduktion in Deutschland 2021 bis 2024
Menge in Quadratmeter
2024 ein weiteres Krisenjahr für die deutsche Bodenbelagsindustrie
Foto/Grafik: SN-Verlag; Quelle: Statistisches Bundesamt (Juni 2025), eigene Berechnungen
Bodenbelagsproduktion in Deutschland 2021 bis 2024
Wert in Euro
aus BTH Heimtex 07/25 (Bodenbeläge)