Welche Erfahrungen haben Sie mit KI-Raumgestaltern?

Dank KI-gestützten Raumgestaltern ist es ganz einfach, zusammen mit der Kundschaft deren neues Zuhause zu planen und zu visualisieren. Inzwischen benutzt sie jeder. Dachten wir. Unsere Leserinnen und Leser sehen das differenzierter.


"Nicht alles ist so glatt, wie es die KI generiert hat"
Lina Reitz, Reitz Lebensräume

"Wir starten gerade erst, auch KI in unsere Planungen bzw. Beratungen zu integrieren. Bei den meisten Beratungen setzen wir noch klassisch auf ein Moodboard zum Anfassen, aber auch schon seit längeren setzen wir bei größeren Planungen Power Point Präsentationen ein. Wir nutzen mittlerweile aber auch Tools wie Chat GPT, um zum Beispiel ausgewählte Stoffe digital auf ein Kundenmöbel zu ziehen. Dies vereinfacht die Auswahl, birgt aber auch Risiken, da Realität und KI doch noch weit auseinander liegen und im Handwerk nicht alles am Ende so glatt ist, wie es die KI generiert hat."


"Wie jede x-beliebige Instagramwohnung -
genau das möchten wir nicht"
Bernd Albrecht, Albrecht Raum+Design

"Wir sehen natürlich den Trend in den sozialen Medien, wo User Räume mit KI visualisieren. ChatGPT ist bei uns im Unternehmen mittlerweile auch ein wichtiger Begleiter im täglichen Geschäftsablauf, was Recherche betrifft. Wir selbst verwenden in der Planung allerdings keine KI-Module, auch bei unseren Visualisierungen, Grundrissarbeiten und Renderings, da KI-Module nur auf einen milliardenfachen Datenschatz aus dem Internet weltweit Zugriff nehmen. Somit sieht jede KI-Planung aus, wie jede x-beliebige Instagramwohnung und genau das möchten wir ja nicht. Diese Art von Ideenarbeit und Planung ersetzt unsere Kreativität und Materialauswahl nicht. Wir haben im Unternehmen eine Mitarbeiterin, die unsere Ideen zeichnet bzw. visualisiert und wir haben klassische digitale Planungssoftware im Einsatz, um unseren Kunden Renderings und 3D-Visualisierungen zu ermöglichen. Diese Programme werden sicherlich in Zukunft auch um KI-Module erweitert werden, die den einen oder anderen Ablauf erleichtern werden."



"Die KI lässt doch mal Dinge verschwinden"
Nora Smidt, Lindemann Wohnkultur

"Wir nutzen ein Planungstool, mit dem man seit jeher für den Kunden ,highend fotorealistische’ Ansichten erstellen kann. Diese Berechnungen dauern ihre Zeit, sind aber im Beratungsprozess sehr hilfreich und für den Endkunden überzeugend. Neu ist in diesem Programm auch seit kurzem ein KI-Tool. Man kann statt der langen highend Berechnung eine weniger realistische Ansicht mit KI bearbeiten lassen. Hierfür fügt man einen kurzen Prompt, quasi eine Anweisung für die KI, ein und bekommt dann ein optimiertes Bild. Die KI überarbeitet den Raum (Dekoration, Licht, etc.) nach den eigenen Vorgaben und man hat eine schnelle Ansicht für den Kunden.

Ist es entscheidend, dass alles exakt so bleibt, wie man es zuvor eingeplant hat, muss man vorsichtig sein, da die KI doch mal Dinge verschwinden lässt oder hinzufügt. Aber wenn es schnell gehen muss oder man vielleicht selbst etwas Inspiration braucht, ist es ein spannendes Tool! Wobei man fairerweise dazu sagen muss, dass es derzeit noch in der Testphase ist."



"KI ist kein Ersatz für Gestaltung. Sie ist ein Werkzeug"
Katja Schulze, Katja Schulze Raumausstattung

"Natürlich arbeiten wir mit KI. Alles andere wäre 2026 schlichtweg blöd. Aber wir machen es nicht so, dass wir ein Handyfoto durch eine Homestyler-App laufen lassen und hoffen, dass der Algorithmus schon irgendetwas hübsches daraus zaubert. Das mag nett aussehen, ersetzt aber keine echte Auseinandersetzung mit dem Menschen, der später darin lebt. Eine App erfasst keine Persönlichkeit. Sie kennt weder Gewohnheiten noch Bedürfnisse. Sie weiß nicht, ob jemand Ruhe sucht, Bühne braucht oder Struktur. Und genau da beginnt unsere Arbeit. Wir sprechen zuerst intensiv mit dem Kunden. Wir hören zu. Wir analysieren Typ, Alltag, Vorlieben. Danach entwickle ich das Konzept händisch in der Concepts-App mit realen Produkten, mit exakt den Möbeln, die wir verkaufen und liefern können, mit stimmigen Maßen und echter Umsetzbarkeit. Erst wenn diese Basis steht, lassen wir das Konzept über KI fotorealistisch rendern. So wird aus einer Zeichnung ein greifbares Bild - nicht irgendein schöner Raum, sondern genau der Raum dieses Kunden. Das funktioniert hervorragend. Die Beratung wird klarer, Entscheidungen fallen leichter - und die Abschlussquote ist deutlich gestiegen. Menschen wollen sehen, was sie kaufen. Und sie wollen sich darin wiederfinden. Eine VR-Brille mag irgendwann der nächste Schritt sein. Aktuell stehen Aufwand und Kosten noch nicht im Verhältnis zum Nutzen im Mittelstand.

Für uns ist KI kein Ersatz für Gestaltung. Sie ist ein Werkzeug. Die Persönlichkeit kommt vom Menschen. Die Idee von Erfahrung. Und die KI macht es sichtbar."


"Ein Thema in der Zukunft"
Kerstin Schilling, Lacolore-Schilling

"Da wir hauptsächlicher Maler sind und uns um die gesamte Renovierung kümmern, haben wir das Thema bisher noch nicht umgesetzt. Es ist quasi noch keine Not. Aber sicher auch für uns ein spannendes Thema in der Zukunft."



"Der Kunde will Visualisierungen"
Sören Ahrens, Ahrens Raumausstattung

"Der tatsächliche Zeitaufwand und der wirkliche Nutzen stehen für uns noch im Missverhältnis. Die hochwertige haptische Bemusterung wird selbst von den mit uns zusammenarbeitenden Innenarchitekten immer bevorzugt. Tatsächlich erleben wir gerade eine Probierphase ohne festgelegtes, erkennbares Ergebnis. Folgende Punkte klären wir gerade: Ist der Kunde bereit, dafür zu zahlen, bei Auftrag Rückerstattung anteilig? Wo landen meine Daten, wenn es Tools von Herstellern sind? Woher kommt mein Content? Ist es eine Leistung, die Abgabepflichtig laut Künstlersozialkasse ist? Ist es nur ein Bild oder unterstützt mich dieses Bild verknüpft in meiner Materialwirtschaft und Arbeitsplanung?

Fotos, die vom Kunden mit KI erstellt werden, sind überwiegend Datenmüll und nicht nützlich. Wir verbrennen kostbare Zeit und Ressourcen statt auf gute Beratung, Moodboard etc. zu setzen.

Über Henning Ruf und Kaiser EDV entwickelt sich gerade ein System. Das habe ich im Fokus. Über die Decor-Union und wohn-manufaktur.de sind wir dabei, in unserer ,Ahrens-Welt’ den Kunden virtuell zu unterstützen.

Wir sind offen für neues. Der Kunde will Visualisierungen und wir brauchen inspirierte Kunden."


"Die größte Herausforderung liegt in der Datenpflege"
Holger Schmidt, Schmidt - Ihr Ausstatter

"Wir setzen virtuelle Raumgestalter derzeit vorrangig in unserem Onlineshop ein und machen damit gute Erfahrungen. Das Tool wird von den Kunden genutzt und stellt eine Hilfe bei der Kaufentscheidung dar. Im stationären Handel, also in der persönlichen Beratung in unseren Filialen, spielt die Technik momentan noch eine untergeordnete Rolle, die Kunden fragen dieses Feature dort auch bisher kaum aktiv nach. Dennoch sind wir überzeugt, dass die visuelle Unterstützung den entscheidenden Unterschied machen wird. Um die Brücke zwischen haptischem Produkt und digitaler Vorstellung zu schlagen, haben wir bereits damit begonnen, QR-Codes zur Visualisierung direkt auf den Produktetiketten anzubringen. Auch die Integration von Visualisierungen in den Angebotsprozess ist fest geplant.

Die größte Herausforderung liegt aktuell in der Datenpflege. Die Anwendungen sind zwar nach der Einrichtung sehr einfach zu bedienen, benötigen aber Bildmaterial mit hohen spezifischen Anforderungen. Hier sehen wir auch die Hersteller in der Pflicht: Wir wünschen uns eine stärkere Unterstützung durch qualitativ hochwertiges Bildmaterial, um die KI-Tools noch effizienter füttern zu können. Für uns ist klar: Die Raumvisualisierung ist ein Gegenwartsthema, das in Zukunft an Bedeutung gewinnen und die Beratungsqualität nachhaltig prägen wird."
aus BTH Heimtex 03/26 (Handwerk)